Mittwoch, 29. Februar 2012

Windy Wellington


Aufgewacht in: Downtown Backpackers, Wellington (4/5)

Wellington ist bekannt für seinen Wind und jetzt war er endlich da, der Wind. Aufgewacht bin ich, weil mir kalt war. Die hier vorherrschende Einfachverglasung mit großen Ritzen (englische Bautradition, siehe auch meine Bemerkung zum Thema Waschbecken) setzt dem Wind kaum Widerstand entgegen und so war mein Zimmer über Nacht doch merklich heruntergekühlt.
Noch etwas hatte sich geändert: am Ende der Uferstraße, die ich von meinem Zimmer aus überschauen konnte, lag plötzlich ein Kreuzfahrtschiff. Ich ahnte Schlimmes und machte mich sofort auf den Weg.
Wellington Cable Car.
Mit dem Cable Car fuhr ich zum Botanischen Garten. Gerade als das Fahrzeug losfuhr wurde die erste Ladung von Kreuzfahrttouristen in den Bahnhof getrieben. Ich hatte nur 10 Minuten Vorsprung. Das Cable Car Mueseum direkt neben der Bergstation würden sie bestimmt als erstes überschwemmen, also musste ich das meiden. So machte ich mich direkt auf den Weg in den Botanischen Garten. Der ist ganz hübsch, hat natürlich viele neuseeländische Pflanzen, unterscheidet sich aber sonst kaum von anderen botanischen Gärten. Die Aussicht ist auch bei weitem nicht so schön wie von Mount Victoria. Am Rosengarten stellte ich fest, dass die Kreuzfahrer einen Zweifrontenangriff auf den Botanischen Garten unternahmen. Es fuhren nämlich gerade zwei Busse vor und luden Touris aus. Jeder hatte einen rosa Aufkleber mit seiner Gruppennummer auf der Brust. Das hier waren 4er, im Cable Car waren 5er gewesen.
Als überzeugter Individualtourist stelle ich mir so meine persönliche Hölle vor: mit 3000 Menschen-Schafen für alle Ewigkeit auf einem Dampfer eingesperrt zu sein, fünf Mahlzeiten am Tag konsumieren und die langweiligen Lebensgeschichten meiner Mitreisenden anhören zu müssen. Sobald ich bei Landausflügen etwas Interessantes entdecke, kommt ein Reiseleiter-Hund und wuff, wuff, wuff, treibt mich zurück in den Bus.
Nach meinem Morgenspaziergang durch den botanischen Garten kehrte ich zum Cable Car Museum zurück, das jetzt einigermaßen leer war. Außer zwei alten Wagen, der alten Maschinerie und einigen Schautafeln gab es hier aber nichts zu sehen.
Mount Victoria und Te Papa.
Te Papa, das "Museum for New Zealand" war mein nächstes Ziel. Es ist eine Mischung aus Naturkunde, Völkerkunde, Geschichte und Kunst und beschäftigt sich, wie der Name andeutet, mit Neuseeland. Es ist nach den neuesten museumsdidaktischen Gesichtspunkten konzipiert, enthält also sehr viele Multimedia-, Anfass- und Mitmachelemente. Dies machte es allerdings auch schwierig, einen Überblick zu behalten, welche Ecke man schon gesehen hatte und welche nicht. Nach drei Wochen und diversen Museen in Neuseeland, konnte ich hier wenig Neues mitnehmen. Wer sonst keine Museen besuchen möchte, bekommt im Te Papa alles konzentriert geboten. Auch hier wimmelte es im übrigen von Kreuzfahrt-Schafen (3er und später 4er).
Kupe, der Entdecker Neuseelands im Blubo-Stil.
Nach einem Abstecher in die Cuba Street, einer charmanten Straße mit vielen kleinen Geschäften und Restaurants, besuchte ich noch die Kirche Old St. Pauls. Diese ist, wie so vieles hier, komplett aus Holz gebaut und vermittelt, verglichen mit den kalten Steinkathedralen Europas, eine gemütliche und heimelige Atmosphäre.
Beehive-Regierungsgebäude.
Zurück im Backpacker stopfte ich meine schmutzige Wäsche, völlig unsortiert, in eine riesige Industriewaschmaschine. Es ist nichts kaputt gegangen, aber "sauber" ist etwas anderes.
Am Abend machte ich noch einmal einen Spaziergang über die Waterfront. Ich war ein wenig wehmütig. Wellington ist eine tolle Stadt und ich hatte eindeutig zu wenig Zeit eingeplant. Ach ja, zum Wind: mit einer guten Windjacke verliert Wellington auch bei Wind nichts von seinem Charme.

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