Mittwoch, 29. Februar 2012

Windy Wellington


Aufgewacht in: Downtown Backpackers, Wellington (4/5)

Wellington ist bekannt für seinen Wind und jetzt war er endlich da, der Wind. Aufgewacht bin ich, weil mir kalt war. Die hier vorherrschende Einfachverglasung mit großen Ritzen (englische Bautradition, siehe auch meine Bemerkung zum Thema Waschbecken) setzt dem Wind kaum Widerstand entgegen und so war mein Zimmer über Nacht doch merklich heruntergekühlt.
Noch etwas hatte sich geändert: am Ende der Uferstraße, die ich von meinem Zimmer aus überschauen konnte, lag plötzlich ein Kreuzfahrtschiff. Ich ahnte Schlimmes und machte mich sofort auf den Weg.
Wellington Cable Car.
Mit dem Cable Car fuhr ich zum Botanischen Garten. Gerade als das Fahrzeug losfuhr wurde die erste Ladung von Kreuzfahrttouristen in den Bahnhof getrieben. Ich hatte nur 10 Minuten Vorsprung. Das Cable Car Mueseum direkt neben der Bergstation würden sie bestimmt als erstes überschwemmen, also musste ich das meiden. So machte ich mich direkt auf den Weg in den Botanischen Garten. Der ist ganz hübsch, hat natürlich viele neuseeländische Pflanzen, unterscheidet sich aber sonst kaum von anderen botanischen Gärten. Die Aussicht ist auch bei weitem nicht so schön wie von Mount Victoria. Am Rosengarten stellte ich fest, dass die Kreuzfahrer einen Zweifrontenangriff auf den Botanischen Garten unternahmen. Es fuhren nämlich gerade zwei Busse vor und luden Touris aus. Jeder hatte einen rosa Aufkleber mit seiner Gruppennummer auf der Brust. Das hier waren 4er, im Cable Car waren 5er gewesen.
Als überzeugter Individualtourist stelle ich mir so meine persönliche Hölle vor: mit 3000 Menschen-Schafen für alle Ewigkeit auf einem Dampfer eingesperrt zu sein, fünf Mahlzeiten am Tag konsumieren und die langweiligen Lebensgeschichten meiner Mitreisenden anhören zu müssen. Sobald ich bei Landausflügen etwas Interessantes entdecke, kommt ein Reiseleiter-Hund und wuff, wuff, wuff, treibt mich zurück in den Bus.
Nach meinem Morgenspaziergang durch den botanischen Garten kehrte ich zum Cable Car Museum zurück, das jetzt einigermaßen leer war. Außer zwei alten Wagen, der alten Maschinerie und einigen Schautafeln gab es hier aber nichts zu sehen.
Mount Victoria und Te Papa.
Te Papa, das "Museum for New Zealand" war mein nächstes Ziel. Es ist eine Mischung aus Naturkunde, Völkerkunde, Geschichte und Kunst und beschäftigt sich, wie der Name andeutet, mit Neuseeland. Es ist nach den neuesten museumsdidaktischen Gesichtspunkten konzipiert, enthält also sehr viele Multimedia-, Anfass- und Mitmachelemente. Dies machte es allerdings auch schwierig, einen Überblick zu behalten, welche Ecke man schon gesehen hatte und welche nicht. Nach drei Wochen und diversen Museen in Neuseeland, konnte ich hier wenig Neues mitnehmen. Wer sonst keine Museen besuchen möchte, bekommt im Te Papa alles konzentriert geboten. Auch hier wimmelte es im übrigen von Kreuzfahrt-Schafen (3er und später 4er).
Kupe, der Entdecker Neuseelands im Blubo-Stil.
Nach einem Abstecher in die Cuba Street, einer charmanten Straße mit vielen kleinen Geschäften und Restaurants, besuchte ich noch die Kirche Old St. Pauls. Diese ist, wie so vieles hier, komplett aus Holz gebaut und vermittelt, verglichen mit den kalten Steinkathedralen Europas, eine gemütliche und heimelige Atmosphäre.
Beehive-Regierungsgebäude.
Zurück im Backpacker stopfte ich meine schmutzige Wäsche, völlig unsortiert, in eine riesige Industriewaschmaschine. Es ist nichts kaputt gegangen, aber "sauber" ist etwas anderes.
Am Abend machte ich noch einmal einen Spaziergang über die Waterfront. Ich war ein wenig wehmütig. Wellington ist eine tolle Stadt und ich hatte eindeutig zu wenig Zeit eingeplant. Ach ja, zum Wind: mit einer guten Windjacke verliert Wellington auch bei Wind nichts von seinem Charme.

Dienstag, 28. Februar 2012

Parkplatzsuche in Wellington


Aufgewacht in: Tamara Lodge Backpackers, Wanganui (4/5)

Der Vormittag war wieder eine Überführungsetappe. Es galt, den letzten Abschnitt meiner Reise auf der Nordinsel, die Fahrt nach Wellington, hinter mich zu bringen. Ich startete früh, fuhr ohne Halt durch und erreichte Wellington gegen Mittag.
CBD von Wellington von Mount Victoria aus.
Dann begann eine Odyssee, gegen die die Fahrt ein Klacks gewesen war. Es war in der gesamten Innenstadt kein Parkplatz zu bekommen. Am Straßenrand musste man 4 Dollar pro Stunde bezahlen und durfte nur 2 Stunden bleiben, alle Parkhäuser und Parkplätze waren "full". Der CBD besteht aus einem absolut verwirrenden System von Einbahnstraßen und da gerade Mittagspause war, rannten andauernd irgendwelche Schlipsträger über die Straße. Nach einer Stunde brauchte ich eine Pause und steuerte heraus aus dem CBD, nach Süden, in die Island Bay. Hier donnert die Brandung der Cook Strait gegen die Nordinsel und sie tat das auf absolut beeindruckende Art und Weise. Riesige Wellen und Brecher, und das bei kaum Wind. Wie sieht es hier wohl bei Sturm aus?
Island Bay.
Nachdem ich einige Kekse zu Mittag gegessen hatte fuhr ich an der Küste entlang zurück zum CBD. Dabei entdeckte ich in der Oriental Bay tatsächlich einen kostenlosen Parkplatz ohne irgendwelche Beschränkungen. Na ja, eine gab es doch: bis zum CBD waren es etwa 2 Kilometer...
Ich wanderte also zum Backpacker, checkte ein und kundschaftete die Parkplätze in der Nachbarschaft aus. Kostenlos war absolut nichts zu bekommen, aber wenn die Pendler weg waren, sollte es zumindest Plätze geben, auf denen man mehr als 2 Stunden parken konnte.
Government Buildings. Das ist Holz!
Danach wanderte ich kreuz und quer durch die Stadt und war kurz vor Acht wieder bei meinem Auto. Auf der Fahrt zum Backpacker kam ich an einem Schild "Mount Victoria Lookout" vorbei und steuerte diesen sofort an. Eine gute Entscheidung. Einen besseren Überblick über die Stadt gibt es wohl kaum.
Auf dem Dauerparkplatz bezahlte ich dann 22 NZD für 24 Stunden, Stuttgarter Verhältnisse, und unternahm noch einen ausgedehnten Spaziergang durch das nächtliche Wellington.
Die Maori-Kanutradition lebt...
An der Seafront stieß ich auf ein tolles Kunstwerk: Water Whirler von Len Lye (ja, der aus New Plymouth). Ein etwa zehn Meter hohes, elastisches Kunststoffrohr, vertikal aufgestellt, mit Löchern alle 30 Zentimeter. In dieses Rohr wurde Wasser gepumpt, das durch die Löcher austrat. Starke weiße Scheinwerfer unter dem Rohr machten das Wasser sichtbar, ein Motor bewegte das Rohr in alle möglichen Richtungen und zeichnete so weiße Wasserfiguren in die Luft.
Der CBD erinnert ein wenig an die Londoner City.
Ich mochte Wellington. Von allen Kiwi-Städten, die ich bislang gesehen hatte, war das die einzige, in der ich mir vorstellen konnte, tatsächlich zu leben.

Montag, 27. Februar 2012

Atene Skyline Track


Aufgewacht in: Tamara Backpackers, Wanganui (4/5)

Der Whanganui River (Whanganui oder Wanganui, beide Schreibungen sind zulässig) war mal so etwas wie der Mississippi: der einzige Weg ins Landesinnere. Dampfer hielten den Kontakt mit den Siedlern stromaufwärts. Mit dem Bau der Eisenbahn verlor er seine Bedeutung vollständig und auch mit Wanganui ging es von da an bergab. Da mit der Wildnis niemand etwas anfangen konnte, hat man dann einen Nationalpark daraus gemacht. Mit einer kurzen Wanderung wollte ich in den Whanganui National Park hineinschnuppern.
The Rhine of Maoriland: Whanganui River.
Ich hatte mir den Atene Skyline Track ausgesucht, vor allem auf Grund des Namens. Das DOC gab eine Länge von 12,5 Kilometern und eine Gehdauer von 8 Stunden an. Der Track verlief immer auf Graten und meist im Wald. Die im Verhältnis zur Strecke recht lange Gehdauer resultiert daraus, dass doch einige Höhenmeter zu absolvieren sind. Der Track war zudem in einem sehr schlechten Zustand. Immer wieder lagen Bäume quer, Büsche und Gras machten den Weg oft undeutlich, die Markierungen fehlten zum Teil. Kurz: es machte sehr viel Spass. Endlich mal keine Wanderautobahn mit DOC-genormten Stufen. Allerdings kam ich nur sehr langsam voran: sechs Stunden für 14,5 Kilometer (ich musste wieder zum Auto zurück). Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so langsam war...
Etwa in der Mitte des Tracks hatte das DOC einen Unterstand und eine Toilette aufgestellt. Dort traf ich zwei Wanderer und unterhielt mich mit ihnen. Wir sprachen gerade über die schlechte Wegqualität, als plötzlich ein Hubschrauber im Tiefflug über uns hinwegbretterte. Er drehte eine Kurve und setzte auf der winzigen Lichtung zur Landung an. Fliegerisch wirklich beeindruckend. Als er gelandet war, sprangen ein Mann in DOC-Uniform und mehrere Männer mit Kettensägen heraus. Der Ranger erklärte uns, dass dies ein Instandsetzungstrupp sei, der die Aufgabe habe, den Weg wieder in einen annehmbaren Zustand zu versetzen. Wow. Wenn meine Wohnung das nächste Mal aufgeräumt werden müsste, muss ich also nur mit jemandem darüber reden und es landet ein Hubschrauber...
Weginstandsetzungstrupp nach Punktlandung.
Dass das DOC die Waldarbeiter im Hubschrauber einfliegen lässt, zeigt aber ein Problem: in dieser Wildnis hier gibt es keine Straßen. Man kann den Track von den Enden her begehen oder eben auf der einzigen Lichtung landen, einen anderen Zugang gibt es nicht.
Vom Gehen her hat der Track Spaß gemacht, Aussicht gab es aber wenig. Vom Namen her hatte ich mir da mehr versprochen. Aber wenn man etwas sah, war es monumental: in der Ferne, Mount Taranaki, faszinierend wie immer. Und, auf Grund seiner Größe vermeintlich zum Greifen nah: Mount Ruapehu.
Ausblick auf Mount Ruapehu.
Auf der Rückfahrt blockierte dann eine Schafherde die Whanganui River Road. Ich versuchte erst, im Schritttempo einfach hindurchzufahren, was am Anfang auch klappte, die Tiere wichen aus. Aber irgendwann bewegten sich die Viecher einfach nicht mehr. Ich war komplett von Schafen umgeben. Nichts ging mehr. In diesem Moment kam Gott sei Dank der Schäfer. Neuseeländische Schäfer fahren heutzutage Quad. Meist haben sie noch einen Anhänger dran, in dem sie die Hunde transportieren. Der Schäfer machte also den Anhänger auf, die Hunde flitzten los, wuff, wuff, wuff und dreißig Sekunden später war die Straße frei. Fantastisch. Ich fand insbesondere die Koordination der Hunde untereinander sehr beeindruckend.
Ausblick vom Balkon meiner Unterkunft.
Den Abend verbrachte ich mal wieder auf dem Balkon meiner Unterkunft. Wie immer mit Bloggen.


Sonntag, 26. Februar 2012

Von Hastings nach Wanganui


Aufgewacht in: Criterion Art Deco Backpackers, Napier (3/5)

Diese Nacht war, im Gegensatz zur vorherigen, sehr erholsam. In der ganzen Stadt war total tote Hose und alles war ruhig.
Am Morgen kam dann der Sommer zurück: keine Wolke am blauen Himmel.
In Napier bestieg ich noch den höchsten Punkt der Stadt, Bluff Hill. Dort blieb ich dann fast eineinhalb Stunden hängen. Grund: direkt unterhalb des Hügels ist der Hafen von Napier. Zuerst habe ich zugesehen, wie ein Containerschiff gleichzeitig be- und entladen wurde, dann kam ein Kreuzfahrtschiff, das von zwei Schleppern an den Kai bugsiert wurde. Die Zeit verging wie im Fluge, der Hügel füllte sich, weniger mit Menschen, mehr mit Hunden. Die Anwohner nutzten den Park wohl um ihre besten Freunde Gassi zu führen und irgendwann waren dann fünfzehn Hunde anwesend. Das war sehr lustig: kaum machte ein Hund sein Häufchen, schon kamen alle anderen Hunde und beschnüffelten es. Das schien wiederum den Hund zu irritieren, denn nun beschnüffelte er auch seinen eigenen Haufen. Schließlich kam das Herrchen und packte die Scheiße ein.
Hafen von Napier.
An diesem Morgen fiel es mir sehr schwer, von Napier Abschied zu nehmen. Es war bislang die schönste Stadt hier in Neuseeland und das Wetter war heute wirklich toll.
Blick von Te Mata nach Napier.
Als nächstes bestieg ich den Te Mata bei Havelock North. Na ja, angesichts der fortgeschrittenen Zeit übernahm das Auto den größten Teil der Besteigung, nur die letzten fünfhundert Meter absolvierte ich zu Fuß. Die Aussicht war absolut fantastisch, der Abstecher hatte sich wirklich gelohnt. Havelock North selber ist ein super-posher Vorort von Hastings, in seiner Umgebung gibt es zahlreiche Weingüter. Wenn man zu dem Typ von Mensch gehört, der seine Kinder morgens mit dem SUV in die Waldorf-Schule fährt und abends noch ein Glas Rotwein mit dem Partner konsumiert, lebt man hier sicher sehr angenehm.
In Hastings machte ich nur kurz halt. Der Ort hat weniger Art Deco zu bieten, hier dominiert mehr die Spanish Mission. Bizarrster Auswuchs davon ist das Hawke's Bay Opera House. Wow, ich war baff.
Hawke's Bay Opera House.
Ein weiteres Highlight: eine Eisenbahnlinie führt mitten durch den Brunnen in der Mitte des zentralen Platzes. Eine gehobenere Stellung kann sich der ÖPNV eigentlich nicht wünschen...
Eisenbahn durch den Brunnen in Hastings.
Von Hastings fuhr ich dann weiter auf die andere Seite der Insel, nach Wanganui. Als ich gerade nach Palmerston North einfuhr ging plötzlich eine gelbe Warnlampe im Auto an. Sie zeigte die Kontur des Motors. Ein gelber Motor-INOP! Wie konnte ich meinen Urlaub auch einem Ford Focus anvertrauen! Ich fuhr erstmal eine Viertelstunde weiter, mit der Hoffnung, sie würde von selber wieder ausgehen. Tat sie aber nicht. Also hielt ich an und rief den Autovermieter an. Der wollte, dass ich nach Wellington komme, was ich nicht wollte. Also einigten wir uns, dass ich die AA, den hiesigen ADAC, anrufen sollte. Das AA-Callcenter versprach mir einen Techniker in 16 (sic) Minuten. Diese präzise Zeitangabe beeindruckte mich, aber der Techniker war dann schon nach 14 Minuten da...
Der Techniker las nun den Fehlercode aus, öffnete die Motorhaube, schaute sich den Motor oberflächlich an, schloss die Motorhaube und löschte den Fehlercode. Damit ging die Warnlampe aus. Er meinte, ich könne weiterfahren, der Fehler habe mit einem Ventil zu tun, das nicht ordnungsgemäß geschlossen habe, das hätte aber keine schlimmen Auswirkungen. Entweder könne mir beim Abbremsen an einer Kreuzug mal der Motor ausgehen, oder der Kat könne zu heiß werden, dafür gebe es dann aber eine andere Warnlampe. Na super. Ich muss in diesem Auto noch ein paar Tausend Kilometer zurücklegen. Ich warte also gespannt auf die nächste Lampe.
Wanganui ist sehr interessant. Die hiesige Main Street heißt Victoria Avenue und sieht fast so aus wie eine Straße in London. Ist aber alles nur Fassade. Dazu muss man nur mal den Block umrunden, dann sieht man Holzhäuser und viel Brache...
Queen Victoria würde sich wohl fühlen...
Wanganui hat auch ein Opernhaus. Sogar ein königliches. Es ist vollständig aus Holz und in zwei Wochen treten hier ABBA auf. Oder eine ABBA-Coverband. Das ging aus dem Plakat nicht so ganz hervor.
Noch ein Opernhaus. Diesmal aus Holz.

Samstag, 25. Februar 2012

Napier und Cape Kidnappers


Aufgewacht in: Criterion Art Deco Backpackers, Napier (3/5)

Dass die Nacht schwierig werden würde, hatte ich schon am Vorabend befürchtet. Auf der Straße, direkt gegenüber von meinem Zimmer, war ein Irish Pub und der sorgte für Stimmung, bis etwa gegen 3 Uhr am Morgen. Selbst mein Oropax konnte wenig ausrichten. Dementsprechend wenig schlief ich in dieser Nacht. Gegen Viertel vor Sieben stand ich dann ganz auf und schlenderte ans Meer. Jetzt sollte eigentlich die Sonne aufgehen, aber es hatte Wolken und es war nichts zu sehen.
An diesem Tag schien der Sommer auch hier eine Pause zu machen. In den Wetterreports des Met Service war Napier in letzter Zeit immer der wärmste Punkt gewesen. Nun war es recht kühl, mehr als 20 Grad gab es nicht, dazu war es wechselhaft und hin und wieder nieselte es.

Art Deco.

Napier ist für sein Art Deco bekannt, ganz bescheiden nennt es sich Art Deco Capital, und es gibt ein Faltblatt mit einem Walk, der an den interessantesten Gebäuden vorbei führt. Die erste Hälfte dieses Walks nahm ich mir am Vormittag vor, die zweite Hälfte dann am Abend. Am Abend war Napier wie ausgestorben und ich konnte zum Betrachten der Häuser problemlos mitten auf der Straße gehen.
Spanish Mission Style.
Unterbrochen wurde dieser Kunstspaziergang von einem Strandspaziergang. Ich fuhr nach Clifton, von wo aus ich eine Wanderung immer am Strand entlang zum Cape Kidnappers machte. Diese Wanderung ist tidenabhängig, da manche Strandabschnitte erst ab einem bestimmten Wasserstand passierbar werden. Ich musste an einer Stelle dann tatsächlich 40 Minuten warten, bis ich trockenen Fußes weiterkam.
Bei Hochwasser wirds eng...
Das Kap ist deshalb berühmt, weil es hier eine Kolonie von Tölpeln gibt. Also von Vögeln, nicht von ungeschickten Menschen. Wobei letzteres vermutlich lustiger wäre...
Nun ja. Offensichtlich gibt es viele Leute, die sich für Vögel interessieren. Während ich auf das Fallen des Wassers wartete, fuhren 3 Traktoren mit Anhängern an mir vorbei. Jeder Anhänger war voll mit Touristen beladen.
Cape Kidnappers.
Das Kap war ganz hübsch, die Vögel waren, nun ja, eben Vögel. Ich kann mit Tieren einfach überhaupt nichts anfangen. Das Besondere war wohl, dass so viele Vögel auf einem Fleck saßen. Es stank auf jeden Fall fürchterlich.
Das sind sie: Tölpel.
Gegen Ende meines Art Deco Walks fing es dann an zu regnen und so verbrachte den Abend mit einer furchtbar lästigen Tätigkeit: Bloggen.


Freitag, 24. Februar 2012

Te Urewera National Park


Aufgewacht in: Lake Whakamarino Lodge (4/5)

Der LP übersetzt Lake Waikaremoana mit "Sea of Rippling Water". Ein wunderbar treffender Name, wie ich heute feststellen konnte. Als ich in "meiner" Lodge aufwachte schien die Sonne ins Zimmer. Noch während ich mich darüber freute ging dann plötzlich ein feiner Nieselregen nieder. Das Wetter schien sich nicht so recht entscheiden zu können, am Himmel wechselten sich blaue Stellen mit dicken, dunklen Wolken ab. Nachdem ich mich für eines "meiner" drei Badezimmer entschieden und geduscht hatte, schien aber das Blau zu überwiegen und ich beschloss, zum Nationalpark zurückzufahren. Am Vortag war Lake Waikaremoana nur schemenhaft zu erahnen gewesen, aber jetzt lag er in all seiner Pracht vor mir. Es blies ein heftiger Wind und überzog die ganze Seeoberfläche mit niedrigen, weiß brechenden Wellen. Ein toller Anblick.
Lake Waikaremoana.
Auf dem Weg zum Visitor Centre machte ich einen Abstecher zu Lou's Lookout. Ich war erst vorbei gefahren, aber irgendwie packte mich die Alliteration und ich setzte zurück, denn ans Wenden war auf dieser "Straße" nicht zu denken. Es war nur ein etwa 15-minütiger Walk zum Aussichtspunkt aber der war wirklich toll. Er führte durch Wald, bizarre Steinformationen, Höhlen und belohnte den Aufstieg dann mit einer fantastischen Aussicht über den See.
Auf dem Lake Waikareiti Walk wanderte ich dann zum Lake Waikareiti und von dort zurück zum Auto auf dem Ruapani Circuit Track. Beide Tracks habe mich nicht sonderlich überzeugt. Wald, Wald und nochmals Wald. Insbesondere vom Lake Waikareiti sieht man so gut wie nichts. Das DOC verleiht dort Ruderboote, für die man allerdings den Schlüssel vorher beim Visitor Centre abholen muss. Hatte ich nicht gemacht. Wäre bei dem Wind und Seegang bestimmt auch lustig geworden. Aber wenn man vom See wirklich etwas sehen möchte, kommt man wohl kaum um das Boot herum.
Lake Waikareiti.
Gegen halb Drei machte ich mich dann auf den Weg nach Napier. Es war noch ein Stück unsealed road zurückzulegen, bei Trockenheit fuhr es sich darauf doch etwas angenehmer. Aber dafür gab es jetzt bei dem schönen Wetter wesentlich mehr Gegenverkehr. In der Mitte der Straße zu fahren um den Schlaglöchern auszuweichen, wurde etwas riskanter.
Und noch ein See: Lake Whakamarino bei Tuai.
Der Backpacker hier in Napier liegt sehr zentral. Zentraler geht es kaum. Das hatte aber den Nachteil, dass es keine freien Parkplätze in der Nähe gab. Ich habe also das Auto etwas weiter weg abgestellt und dann gegen Zehn direkt vor die Tür umgeparkt und mein Gepäck ausgeladen. Bis um 8 Uhr morgen muss ich allerdings wieder verschwunden sein...
An der Marine Parade war ein Konzert, das wohl von irgendeiner Maori-Organisation veranstaltet wurde. Gesungen wurde zwar auf Englisch, aber das Publikum bestand zum größten Teil aus Maori. Viele "Kinder", fast wie ein Freitagabend in Stuttgart...
Ich habe den Abend mal wieder am Strand ausklingen lassen. Möglichst weit weg von den Massen. Habe den Südsternhimmel bewundert und die Leuchtfeuer der Hawke Bay gezählt.
Super fancy: Brunnen in Napier.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Rainforest Road


Aufgewacht in: Six on Union, Rotorua (5/5)

In Rotorua war in Backpackern nichts mehr zu haben, also gönnte ich mir ein Studio in einem Motel. Es ist meine beste Unterkunft bisher, aber auch meine teuerste. Auf jeden Fall ist es völlig ungewohnt ein eigenes Bad oder eine eigene Küche zu haben...
Am Vormittag erkundete ich Rotorua. Die Stadt gibt sich alle Mühe hübsch zu sein, aber es bleibt doch eine Stadt des Massentourismus. Die Haupteinfallstraße, Fenton Street, und die umliegenden Blocks bestehen praktisch nur aus Motels. Auch die Kneipen und Cafes zielen voll auf Touris ("Best European Breakfast in Town"). Das Gleiche gilt übrigens für Taupo. Dort heißt die Motelstraße Lake Terrace. So gut wie alle Touris steuern Rotorua an, Pauschal- und Gruppenreisende werden mit Sicherheit hierher gekarrt. Beide Städte versuchen einem weiszumachen, dass man im Urlaub möglichst viel Geld ausgeben muss: Bootsfahrten, Jet Boat Rides, Duck Tours, Thermal Parks, Maori Shows, Tandemsprünge. Ich mochte beide Städte nicht und würde auch nicht wieder herkommen.
Rotorua Museum, das ehemalige Badehaus.
Vielleicht noch ein Kleinod, das ich in Rotorua gefunden habe: St Faith's Anglican Church. Die Kirche liegt in einem Maori-Viertel und vermischt in ihrem Innenraum Maori-Schnitzereien mit christlicher Kirchentradition. Eine sehr schöne Synthese.
St. Faith von außen. Im Innern durfte man leider nicht fotografieren.
Gegen Mittag machte ich mich dann auf dem State Highway 38, der Rainforest Route, auf den Weg zum Te Urewera National Park. Zu Beginn verläuft der Highway kilometerlang gerade aus durch riesige Pinien-Plantagen. Die Bäume werden als Monokultur gezogen, alle Bäume eines Gebiets sind gleich hoch, immer wieder gibt es riesige Brachflächen, wo gerade "geerntet" wurde. Auf der Straße gibt es dementsprechend viele Holzlaster.
Unter jedem Schild zur Rainforest Route stand "90 km on unsealed windy road". Nach Murupara wurde dieses Versprechen dann eingelöst. Heftiger Dauerregen, links und rechts nichts außer Wald, eine "Straße" in einem miserablen Zustand, praktisch nur aus Kurven bestehend. Es war nicht unbedingt ein Vergnügen, die Strecke zu fahren. Es war rutschig, das Auto kam immer wieder ins Schwimmen, riesige Schlaglöcher rüttelten einen durch. Ein Ford Focus ist definitiv nicht für eine solche Strecke gemacht. Verluste gab es auch: als ich in Tuai das Auto inspizierte, stellte ich fest, dass ich die linke, hintere Radkappe verloren hatte. Die Managerin der Lodge in Tuai, angesprochen auf die Straße , meinte: "Most people underestimate our road, but we love our road."
Durch den Nationalpark bin ich durchgefahren. Der Regen war einfach zu heftig, es war fast nichts zu sehen.
Mokau Falls.
In Tuai blieb ich dann über Nacht. Ein interessantes Kaff: Es besitzt drei Wasserkraftwerke, eine eigene Radiostation aber keinen Laden und kein Restaurant.
Tuai war irgendwie der absolute Gegenentwurf zu Rotorua: am Ende der Welt, ich der einzige Touri, an Stelle von fauligen Eiern roch es nach Wald und Regen. Die Managerin des Hotels hat ihren Ort noch nie länger als eine Woche verlassen: "We always plan to go for 2 weeks but return after one. I mean in Auckland they don't even greet you."
Tuai Hydro.
In der Lodge war ich der einzige Gast, es war schon ein wenig spooky. Das Personal (die Managerin) war gegen 5 Uhr verschwunden, ich hatte noch den Auftrag bekommen, die Eingangstür abzuschließen.
Den Abend verbrachte ich auf der Veranda "meiner" Lodge. Ich war gerade beim Blog-Eintrag vom Vortag, als ein 4WD vorfuhr. Ein Mann, der beim Kraftwerk zu tun gehabt hatte, war auf der Suche nach Infomaterial über die Lodge. Ich konnte ihm nicht weiterhelfen und er kletterte wieder in sein Auto. Doch dann steig er wieder aus und fragte, ob er ein Gebet für mich sprechen dürfe. Als toleranter Mensch erlaubte ich ihm das und er betete für eine gute Reise und meine gesunde Rückkehr.
Blick von "meiner" Veranda.

Mittwoch, 22. Februar 2012

Taupo und Rotorua im Regen


Aufgewacht in: Adventure Lodge, National Park (2/5)

Das Prasseln auf dem Dach am Morgen bedeutete dass der Met Service Recht gehabt hatte. Dauerregen. Auf die neuseeländisch heftige Art. Die Walks, die ich eigentlich noch im Tongariro National Park vorgehabt hatte waren damit erledigt. Ich setzte mich also ins Auto und fuhr nach Norden, nach Taupo. Als ich mich Lake Taupo näherte, begann die Luft, einen leichten Geruch nach fauligen Eiern anzunehmen, der dann, je weiter ich nach Norden vorstieß, immer intensiver wurde. Der Höhepunkt war dann in Rotorua erreicht. Dort stank es wirklich erbärmlich.
Lake Taupo im Dauerregen.
In Taupo sah ich mir die Stadt an und fuhr dann weiter zu den Huka Falls. Beeindruckend, aber selbst bei Dauerregen total überlaufen. Um wieder etwas abzutrocknen besuchte ich danach das Volcanic Activity Centre. Die Ausstellung ist recht klein und ziemlich textlastig aber es wurden einige interessante Filme zu den Ausbrüchen des Mount Ruapehu sowie zu den Erdbeben von Christchurch gezeigt. Das verheerende Februar-Beben jährte sich an diesem Tag zum ersten Mal und die Medien waren voller Gedenkseiten und Gedenksendungen.
Der McD in Taupo hat ein eigenes Flugzeug!
Eigentlich hatte ich vorgehabt, in Taupo zu übernachten, aber angesichts des Wetters änderte ich meinen Plan und fuhr nach Rotorua weiter. Nachdem der Regen etwas schwächer geworden war, stoppte ich unterwegs in Orakei Korako. Das ein thermaler Park, also ein Ort, wo man mit den Innereien von Mutter Erde konfrontiert wird. Er hatte alles, was ein thermaler Park hier haben muss: Sinterterassen, Geysire, blubbernde Matschseen, dampfende Erdlöcher und Tümpel und natürlich stank es gewaltig. Nach zwei interessanten Stunden dort war mir doch etwas übel...
Huka Falls.
Die Suche nach einer Unterkunft in Rotorua gestaltete sich etwas schwieriger, so gut wie alle Backpacker waren schon voll, aber kurz nach Sechs hatte ich dann ein Bett für die Nacht.
Am Abend besuchte ich noch ein "hangi". Das ist ein Abendessen mit einer "Maori cultural performance". Da ich sehr spät dran war, hatten die meisten Shows schon angefangen, aber mein Motel konnte mir noch eine reduzierte Restkarte für eine Show besorgen. Die Show fand im Holiday Inn statt. Es war sehr bizarr. Die eine Hälfte des Saales bestand aus europäischen Rentnern. Dem Aussehen nach wahrscheinlich pensionierte Lehrer. Die andere Hälfte waren Japaner. Diese waren erst 3 Stunden zuvor in Auckland gelandet und wurden nun direkt aus den Bussen in die Show getrieben. Ein verbleibender Tisch wurde mit den Discount-Karteninhabern aufgefüllt. An diesem Tisch saßen auch der Reiseführer und der Busfahrer der europäischen Gruppe mit denen ich mich recht angenehm unterhalten habe.
Orakei Korako.
Das Essen wurde nicht am Platz serviert, statt dessen gab es ein Buffet. Die Gäste wurden tischweise aufgefordert sich zu bedienen. Also zog jeweils ein Tisch unter den neidischen und missgünstigen Blicken der Anderen, die noch nicht dran waren, zum Buffet und füllte sich die Teller. Großartig. Ich liebe Massentourismus.
Orakei Korako.
Nachdem alle satt waren, fand dann die kulturelle Darbietung statt, die etwa eine Stunde dauerte. Tja, was soll ich dazu sagen. Ich kann mit solchen Folklore-Dingen wenig anfangen. Was ist historisch authentisch und was ist nur da, um den Touri-Geschmack zu befriedigen? Und ist eine solche Unterscheidung überhaupt wichtig oder geht es nur um die Unterhaltung? Die Show erfüllte jedenfalls alle Klischees und Erwartungen die ich an eine solche Maori-Darbietung hatte. Was möchte der Touri mehr?
Orakei Korako, der Höhepunkt: blubbernder Matsch.


Dienstag, 21. Februar 2012

Tongariro National Park


Aufgewacht in: Adventure Lodge & Motel, National Park (2/5)

Die Tongariro Alpine Crossing gilt als schönste Eintagestour Neuseelands. Ob sie das tatsächlich ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich habe sie heute zwar gemacht, aber so gut wie nichts gesehen. Das Wetter war ziemlich schlecht, die Wolken hingen sehr tief und die Sicht in den Wolken betrug etwa 20 Meter. Dazu blies ein eisiger Wind und immer wieder setzte Regen ein.
Irgendein Krater. Nur welcher?
Dank meiner Super-Duper-Outdoorausrüstung machte mir das nicht viel aus, na ja, Handschuhe wären vielleicht ganz praktisch gewesen, aber zahlreiche andere Leute machten sich in T-Shirts und kurzen Hosen auf den Weg. Die gefühlte Temperatur lag in der Nähe des Gefrierpunkts. Ich hatte eigentlich vorgehabt Mount Tongariro zu besteigen, aber an der Abzweigung zum Gipfel war die Sicht so schlecht, dass man kaum die nächste Streckenmarkierung sehen konnte. Nachdem die Besteigung also ausgeschieden war und es absolut nichts zu sehen gab, bin ich die Strecke mit Höchstgeschwindigkeit durchgewandert.
Hatte was von Mordor...
Von den Kratern habe ich nur weiße Abgründe wahrgenommen, die Emerald Lakes konnte man mehr riechen als sehen und der Wind dort war mörderisch, aber eben dieser Wind riss dann für ein, zwei Minuten die Wolken auf und erlaubte einen kurzen Blick auf die Seen.
Einer der Emerald Lakes.
Nach 4 1/2 Stunden und etwa 19,5 Kilometern war ich dann am Ziel und musste noch zwei Stunden auf den Transport warten. Für die nächsten paar Tage war es wohl die letzte Gelegenheit, die Tour zu machen. Erstmal soll es regnen und sehr stürmisch werden, am Samstag soll die Schneefallgrenze sogar auf 1500 Meter sinken.
Lake Rotoaira.
Gegen drei Uhr war ich zurück in der Lodge. Das Wetter war inzwischen recht schön geworden. Wolkig zwar, aber immer wieder kam die Sonne durch. Also setzte ich mich ins Auto, fuhr nach Whakapapa und nahm dort noch den 7 Kilometer langen Silica Rapids Track in Angriff. Der Track war zum Auswandern sehr schön geeignet: keine größeren Höhenunterschiede, gute Wegbeschaffenheit und landschaftlich sehr abwechslungsreich.
Silica Rapids.
Die Silica Rapids selber waren eher enttäuschend, aber auf dem Rückweg ergaben sich fantastische Ausblick auf Mount Tongariro und seine Brüder. Inzwischen war das Wetter so gut, dass der Gipfel von Mount Tongariro völlig wolkenlos dalag! Tja, wir waren eben doch viel zu früh aufgebrochen... Fairerweise muss man sagen: das Wetter ändert sich hier sehr schnell. Eine Stunde später war der Gipfel schon wieder hinter Wolken verschwunden.
Tongariro, Pukekaikiore und Ngauruhoe.
Da ich schon in Whakapapa war, fuhr ich noch zur Whakapapa Ski Area, dem höchsten mit dem Auto erreichbaren Ort auf dieser Seite des Mount Ruapehu. Dabei kamen mir zwei Skater entgegen! Genauer: erst ein Auto, das wohl nach vorne abschirmte, dann zwei Skater, davon einer mit Videokamera und hinterher wieder ein Auto, wobei die Beifahrerin auch filmte. Vielleicht gibt es das Filmchen ja irgendwann auf Youtube...
Leider war es inzwischen ziemlich diesig geworden, so dass die Aussicht nicht mehr so toll war.

Montag, 20. Februar 2012

Forgotten World Highway


Aufgewacht in: Seaspray House, New Plymouth (4/5)

Zwei Nächte in einem Ort, das ist völlig ungewohnt. Abends mal nichts auspacken zu müssen...
Der Backpacker hat übrigens zwei Besonderheiten: Zum einen darf man im Haus keine Schuhe tragen. Dafür gibt es in der Lobby ein großes Regal, wo man sie abstellen muss. Zum anderen ist das die erste Unterkunft mit einem vernünftig großen Waschbecken mit - Achtung - Mischbatterie! Alle anderen Waschbecken waren nur schmale Schlitze mit jeweils zwei einander gegenüberliegenden Hähnen für Warmwasser und Kaltwasser.
Govett-Brewster Art Gallery in New Plymouth
Am Vormittag besuchte ich in New Plymouth noch die Govett-Brewster Art Gallery. Außer mir und zwei Grundschulklassen gab es keine weiteren Besucher. Die Galerie ist nicht sehr groß und könnte locker in einer halben Stunde absolviert werden. Allerdings gab es eine Videoinstallation, die eine knappe halbe Stunde dauerte, so dass ich doch eine ganze Stunde dort war. Die Galerie zeigt zeitgenössische neuseeländische Kunst und besitzt auch zahlreiche Werke von Len Lye. Dieser war mir seither kein Begriff, scheint aber für New Plymouth wichtig zu sein. An der Uferpromenade steht nämlich ein großes Kunstwerk von ihm gibt: Wind Wand. Allerdings fühlt es sich in dieser Stadt wie ein Fremdkörper an.
Bizarre Hügellandschaft auf dem Forgotten World Highway.
Gegen Mittag machte ich mich auf dem Forgotton World Highway (SH 43) auf den Weg nach National Park. Auf den gesamten 150 Kilometern des Highway gibt es keine einzige Tankstelle, weshalb man die Fahrt nur mit vollem Tank antreten sollte. Ich habe also in Inglewood zur Sicherheit noch einmal vollgetankt.
Brücke auf dem SH 43.
Der Highway heißt so, weil die Besiedelung in diesem Gebiet mehr oder weniger gescheitert ist und es aus der Sicht von Restneuseeland eine vergessene Welt ist. Zuerst gab es an der Straße noch zahlreiche Milchbauern (dairy farmer), dann kamen nur noch Fleischproduzenten (beef farmer) und zum Schluss gab es nur noch Schafe. Der Radioempfang setzte irgendwann aus und schließlich wurde die Straße zur unsealed road. Der einzig "größere" Ort war Whangamomona. Das Kaff hat 170 Einwohner. W. hat sich 1989 zur Republik erklärt, man kann sich im Hotel/Pub einen Pass kaufen, oder sich ein Visum in seinen eigenen Pass stempeln lassen...
Passport Office der Republik W.
Je näher ich dem Central Plateau kam, desto schlechter wurde das Wetter. Am Ende des Forgotten World Highway in Taumarunui öffnete der Himmel dann seine Schleusen: ein richtiger neuseeländischer Wolkenbruch. Das Wasser stand auf den Straßen, die Scheibenwischer schafften es nicht mehr, die Frontscheibe frei zu bekommen. Ich bin im Blindflug an den Straßenrand gerutscht und habe erstmal eine Pause eingelegt. Die Kiwis in ihren 4WD ließen sich von dem Wolkenbruch absolut nicht beeindrucken. Die meisten hielten es nicht einmal für notwendig, das Licht einzuschalten...
Hobbits Hole Tunnel auf dem SH 43.
National Park ist ein absolut trostloses Kaff. Im Sommer kommen die Tongariro Alpine Crosser und im Winter die Skifahrer. Außer ein paar Lodges gibt es hier absolut nichts.
So gegen acht Uhr, kurz vor Sonnenuntergang, hörte es auf zu regnen und die Wolken rissen auf. Und da lag er dann plötzlich, der Schicksalsberg, Mount Ngauruhoe.
Mount Doom und Saurons Auge.