Sonntag, 25. März 2012

Das wars


Aufgewacht in: Meinem Bett, Nufringen (5/5)

Sechs Wochen Neuseeland liegen hinter mir, sechs Wochen, in denen ich mehr als 8500 Kilometer zurückgelegt habe. Ich habe das Gefühl zwar nicht Alles, aber doch das Meiste gesehen zu haben. Auf jeden Fall einen repräsentativen Querschnitt durch dieses wunderschöne Land. Ein Land, das mich jeden Tag aufs Neue begeistert hat. Ein Land, das jeden Tag dafür sorgte, dass ich mit offenem Mund staunend da stand. Ein Land, das die Zeit so schnell vergehen ließ, wie schon lange nicht mehr in meinem Leben. Ein Land, das sich durch seine überragende landschaftliche Schönheit und Abwechslung auszeichnet, durch seine Einsamkeit und zugleich durch seine freundlichen Menschen. Es waren sechs wunderbare, oft magische, bezaubernde Wochen, die ich auf keinen Fall missen möchte.

Denkwürdig: Auto bleibt in Schafherde stecken (Szene nachgestellt).

Werde ich wieder hinfahren? Auf jeden Fall. Wieder eine Rundfahrt mit dem Auto? Vermutlich eher nicht. Ich weiß jetzt, welche Plätze mir gefallen, ich kenne die Orte, wo ich länger bleiben möchte, die Aktivitäten die ich gerne ausüben würde. Spontan fallen mir ein:


Na, das reicht wohl schon für zwei weitere Besuche...

Würde ich etwas anders machen? Eigentlich nur die An- und Abreise. Ich würde entweder eine Stopover-Nacht einlegen oder mir die Premium Economy gönnen. Am Stück und in der Holzklasse würde ich mir diese Tortur nicht mehr antun.
Ahh, und ich würde nicht mehr bloggen. Ich hatte zuvor noch nie Tagebuch geführt oder regelmäßig Texte geschrieben. Deshalb empfand ich dieses Blog als ein interessantes Experiment. Aber es war eher eine Belastung, eine lästige Pflicht, denn eine Bereicherung. Der Eintrag eines Tages kostete mich mehr als eine Stunde (Text schreiben, Bilder aussuchen, Links recherchieren, Formatieren). Bei 47 Einträgen habe ich also drei Tage nur mit Bloggen verbracht. Drei Tage, die man auch gut mit Nichtstun oder mit Lesen hätte verbringen können...

Danke fürs Mitlesen, Björn.

Donnerstag, 22. März 2012

Der Rückreise zweiter Teil


Aufgewacht in: VH-OJB, QF5 (1/5)

Die ersten beiden Abschnitte der Rückreise, Christchurch - Sydney und Sydney - Singapur hatte ich noch problemlos weggesteckt. Aber die 12 1/2 Stunden von Singapur nach Frankfurt waren wieder eine absolute Tortur. Der Flug startete in Singapur um 23:05 Uhr Ortszeit und Qantas war der Ansicht, erst einmal ein Essen servieren zu müssen. Hallo, wer möchte um Mitternacht noch etwas essen? Ich verzichtete darauf. Danach sollte/konnte man wieder schlafen, ich döste aber nur vor mich hin. Die Position war zum Schlafen einfach zu unbequem. Ich hatte natürlich auch wieder einen Zurücklehner vor mir.
Im FES zappte ich durch einige weitere Filme. Auf Hin- und Rückflug sah ich zusammen 10 Filme, davon kann ich nur zwei empfehlen: The Artist, eine wundervolle Hommage an den Stummfilm, der beweist, dass man kein 3D und 5.1-Ton benötigt, wenn man eine gute Geschichte hat, und Midnight in Paris. Auf Woody Allen ist einfach Verlass.
Kurz vor 5 Uhr waren wir in Frankfurt. Aufgrund des Nachtflugverbots bis 5 Uhr mussten wir allerdings noch einige Warteschleifen drehen. Mein Gepäck hatte es geschafft und kam recht zügig, vermutlich, weil es in Sydney als letztes eingeladen worden war. Kurz vor Sieben saß ich im ICE und um Viertel nach Acht war ich wieder in Stuttgart. Was für ein Luxus ist das Bahnfahren, verglichen mit dem Fliegen. Der Stuttgarter Hauptbahnhof zur Rushour war ein kleiner Schock. Massen von Menschen, gehetzt, müde, mürrisch dreinschauend. So würde ich auch bald wieder aussehen. Ich aß erst einmal zwei Butterbrezeln und stieg dann in die S-Bahn. Um halb Zehn war ich wieder zu Hause.

Mittwoch, 21. März 2012

Der Rückreise erster Teil


Aufgewacht in: Jailhouse Accommodation, Christchurch (4/5)

Tja, da war er nun, mein Rückreisetag. Es war verrückt: ich fühlte mich, als wäre ich erst gestern angekommen. War mein Leben jemals zuvor so schnell verstrichen? Der Abschied von Neuseeland fiel sehr, sehr schwer. Etwas erleichtert wurde er nur durch die Spuren des Herbstes, die jetzt doch nicht mehr zu übersehen waren. Die Aussicht, in den Frühling zu fliegen, hatte zumindest etwas Positives.
Gegen 9 Uhr verließ ich mein Gefängnis. Ich würde bald in ein Arbeitslager auf der anderen Seite der Erde deportiert werden ;-) Vorher hatte ich noch ein wenig Zeit und unternahm einen ausgedehnten Morgenspaziergang durch den botanischen Garten von Christchurch.
Ich tankte ein letztes Mal und gab dann das Auto zurück. Der Ford Focus hatte doch tatsächlich durchgehalten. Er war um eine Radabdeckung ärmer, etwas schmutziger und hatte 8000 Kilometer mehr auf dem Tachometer. Die verlorene Radabdeckung spielte keine große Rolle, "happens regularly", nur der Schmutz sorgte für einen Kommentar "Rather dirty, isn't it?". Na ja, verglichen mit den anderen Fahrzeugen war er das schon. Die hatten sich wohl nicht auf die unsealed roads getraut.
Da staunt sogar die Kuh: der Ford Focus hat die ganzen 6 Wochen durchgehalten...
Meine letzte Stunde in Neuseeland war zugleich die schrecklichste. Der Flughafen wurde umgebaut und direkt neben meinem Gate waren Bauarbeiter auf Hebebühnen zu Gange. Diese Hebebühnen gaben bei jeder Bewegung einen alles durchdringenden Piepton von sich und die Bauarbeiter schienen sie pausenlos herumfahren zu müssen. Dazu kamen die Geräusche von Schlagbohrmaschinen auf Stahlbeton und nach einer Stunde dachte ich, mein Kopf müsse gleich explodieren.
Der Flug nach Sydney sollte eigentlich um 14:30 Uhr starten, zu dieser Zeit saßen wir aber immer noch am Gate. Die Crew für das Flugzeug fehlte. Es hatte wohl Probleme mit dem Transport gegeben. Fünf nach Halb traf die Crew dann ein und wurde mit einem stürmischen Applaus begrüßt. Wir starteten letztlich mit einer halben Stunde Verspätung.
Der Flug war noch einmal magisch. Es war ein wolkenloser Tag, ich hatte einen Fensterplatz auf der linken Seite des Flugzeugs und konnte so die Mitte und den Süden der Südinsel überblicken. All jene Orte, die ich in den letzten beiden Wochen durchreist hatte, noch einmal im Schnelldurchlauf. Der Pfannkuchen der Canterbury Plains, Lake Tekapo und das unglaubliche Blau von Lake Pukaki, die Southern Alps, dominiert von Aoraki/Mt. Cook, und schließlich die West Coast. Sogar den Franz-Josef-Gletscher bekam ich so noch zu sehen.
Aufgrund der Verspätung hatte ich in Sydney nur noch eine halbe Stunde zum Umsteigen. Ich kam gerade rechtzeitig zum Final Call, die spannende Frage war nur, ob es auch mein Gepäck geschafft hatte. In Sydney blieb übrigens auch mein Taschenmesser. Ich hatte es beim Umpacken in meinem Handgepäckrucksack übersehen und es erst in Christchurch auf dem Flughafen bemerkt nachdem ich mein Gepäck abgegeben hatte. Als ich die Sicherheitkontrolle in Christchurch darauf hinwies, meinten die, ich könne es behalten. Die Aussies waren leider nicht so tolerant. Schade drum.
Mit dem Känguru in den Sonnenuntergang.
Auch auf dem Flug nach Singapur hatte ich wieder einen Fensterplatz und auch auf diesem Flug gab es so gut wie keine Wolken. Ich konnte Australien also völlig ungestört von oben betrachten und insbesondere die endlosen, absolut parallelen Sanddünen der Simpsonwüste zogen mich in ihren Bann. Gegen zehn Uhr Ortszeit erreichten wir Singapur und hier bot die unübersehbare Menge an beleuchteten Schiffen, die auf der Reede vor Anker lag, einen fantastischen Anblick. Wir hatten 45 Minuten Aufenthalt, während dessen die 747-400 aufgetankt und gereinigt wurde. Ich nutzte die Zeit, um im Cactus Garden des Flughafens etwas frische Luft zu schnappen. Na ja, frisch ist relativ. Es hatte 26 Grad und etwa 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Dienstag, 20. März 2012

Banks Peninsula


Aufgewacht in: Jailhouse Accommodation, Christchurch (4/5)

Heute war der erste Tag, an dem ich morgens trödelte. Sonst war ich immer gegen 8 Uhr auf der Straße gewesen. Die ersten beiden Stunden, bis gegen 10 Uhr waren immer sehr schön gewesen: Morgensonne und keine anderen Touristen. Heute brach ich erst mit dem Mainstream, kurz vor 10 Uhr auf. Ich hatte kein festes Ziel mehr und es deshalb nicht eilig.
Da Christchurch momentan wenig hergab, beschloss ich, einen Ausflug auf die Banks Peninsula zu machen. Ich fuhr zunächst auf die Port Hills, die Christchurch von seinem Hafen, Lyttelton Harbour, trennen. Es gab eine Summit Road, die sehr schöne Ausblicke sowohl auf Christchurch als auch auf Lyttelton Harbour bot. Leider war sie auf Grund des Erdbebens nur etwa bis zur Hälfte befahrbar, dann musste ich umdrehen. Von oben wirkte Christchurch sehr amerikanisch: Schachbrettstruktur mit den hohen Häusern in der Mitte. In den Harbour Hills waren sehr viele Fahrradfahrer auf den Straßen unterwegs, darunter erstaunlich viele Frauen. In Deutschland scheint das Straßenradfahren ja überwiegend eine männliche Angelegenheit zu sein, hier war das Geschlechterverhältnis fast ausgeglichen.
In Lyttelton stoppte ich kurz. Der Ort wird in den Reiseführern empfohlen, ich fand dort aber wenig reizvolles. Einige historische Gebäude waren durch die Beben zerstört worden, aber auch mit ihnen wäre der Ort nicht wirklich sehenswert gewesen. Die Spuren der Beben waren hier etwas deutlicher zu sehen: abgestützte Gebäude, eingestürzte Gartenmauern und Straßen, die Flickenteppichen ähnelten.
Akaroa Harbour.
Danach fuhr ich weiter auf die Banks Peninsula. Ich hatte in Auckland mit erloschenen Vulkanen begonnen und nun endete meine Reise mit erloschenen Vulkanen. Ich kam also noch einmal in den Genuss von engen, kurvigen Straßen und vielen Pässen. Auch die Banks Peninsula hatte eine Summit Road, die aber durchgängig befahrbar war und entlang des ehemaligen Kraterrandes führte. Diese war wieder sehr "scenic", landschaftlich einfach atemberaubend und außer mir schien niemand unterwegs zu sein. Ich konnte also gemütlich mit 40 km/h durch die Gegend zuckeln und immer wieder anhalten.
Noch einmal sanf gewelltes Grasland: Banks Peninsula.
Mein einziger Stopp auf der Halbinsel war Akaroa. Akaroa war einmal eine Art französische Kolonie und mit diesem französischen Element wucherte der Ort heute touristisch. Viele Straßen trugen französische Namen (Rue Jolie, Rue Lavaud), die Geschäfte hatten französische Bezeichnungen (Boulangerie), jedes zweite Haus trug eine französische Fahne (fast immer zusammen mit einer neuseeländischen) und selbst die Polizeiwache hatten ein Schild: "Gendarmerie - Police".
Vive la France in Akaroa.
Ich hatte mich schon auf ein paar Crepe gefreut, aber es war unmöglich in der Stadt irgendwo einen Platz zu bekommen. Ein Kreuzfahrtschiff war in Akaroa Harbour vor Anker gegangen und hatte mit seinen 2000 Passagieren den Ort überschwemmt. Ohne diese Masse von Leuten wäre der Ort wirklich sehr hübsch gewesen. So fuhr ich aber dann doch recht zügig zurück nach Christchurch.
Am Vorabend hatte ich Nikki, die Chief Warden meines Gefängnisses, gefragt, was denn aus den Geschäften des CBD geworden sei und wo man diese nun finden könne. Sie hatte erzählt, dass diese sich auf mehrere Malls entlang der Ausfallstraßen aufgeteilt hätten und mir die Adressen der beiden nächstgelegenen Malls gegeben. Diese steuerte ich nun an. Die erste Mall war ein riesiger Parkplatz, der an allen Seiten von Geschäften umgeben war. So eine Art Main Street zum Rechteck umgefaltet. Die andere Mall war ein überdachtes Einkaufszentrum a la Breuninger Land. Beide unterschieden sich wenig von deutschen Einkaufszentren, so dass ich mich auch dort nicht lange aufhielt.
Mmmm. Fleischsommerschlussverkauf bei Pak'n Save.
Zurück im Gefängnis räumte ich mein Auto leer und schleppte alles in meine Zelle. Es wurde ziemlich eng, denn so viel Platz bot meine Einzelzelle nun mal nicht... Ich sortierte, warf weg und packte meine Koffer.

Montag, 19. März 2012

Canterbury und Christchurch


Aufgewacht in: High Country Lodge, Twizel (3/5)

Heute stand die letzte Fahretappe auf dem Programm. Es waren noch einmal gut 300 Kilometer von Twizel bis nach Christchurch zurückzulegen. Das Wetter war wieder herbstlich. Es war wechselhaft und es hatte nicht mehr als 10 Grad. Die Kastanien waren reif und die Ahornbäume ließen schon die Blätter fallen.
Am Lake Tekapo machte ich einen Abstecher auf den Mount John. Der Berg ist ein Solitär und trägt ein Observatorium auf seinem Rücken. Er bot tolle Blicke über das Mackenzie Country und die Southern Alps. Letztere erwiesen sich wieder als Misty Mountains und versteckten sich die meiste Zeit hinter Wolken. Ich blieb dennoch eine Stunde im Astro Cafe und nutzte die Zeit, um über den gestrigen Tag zu bloggen.
Lake Tekapo von Mount John.
In Lake Tekapo stoppte ich kurz an der Church of the Good Shepherd. Diese Kirche scheint unter Asiaten eine Topp-Sehenswürdigkeit zu sein. Ich war jedenfalls der einzige Nicht-Asiate unter den 20 Besuchern und musste zahlreiche Paare vor der Kirche fotografieren.
Die Gute-Schäfer-Kirche.
Nach Lake Tekapo fuhr ich dann ohne Halt bis Christchurch durch. Die Southern Alps blieben im Rückspiegel zurück und machten dann den Canterbury Plains Platz. Diese waren flach wie ein Pfannkuchen und wurden landwirtschaftlich sehr intensiv genutzt. Bemerkenswert waren die vielen, bis zu 20 Meter hohen Hecken, die wohl Schutz vor dem Wind bieten sollten. Das Gebiet ist wohl auch recht trocken, denn auch hier gab es sehr viele Bewässerungsanlagen.
Nach den Erdbeben im letzten Jahr hatte ich Christchurch von meiner Liste gestrichen. Nicht aus Angst vor weiteren Beben, sondern weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass die Stadt als touristisches Ziel gerade viel zu bieten hatte. Mein Plan war, am Mittwoch direkt zum Flughafen zu fahren. Ich traf auf meiner Reise allerdings einige Menschen aus Christchurch und diese meinten, dass die Stadt jede Hilfe brauchen könne, seien es auch nur ein paar Touristendollar. Also beschloss ich, meine letzten beiden Nächte hier zu verbringen.
Gegen 15 Uhr kam ich in Christchurch an. Ich kam von Westen und sah überhaupt keine Spuren der Beben. Aber wirklich schlimm getroffen hatte es ja das Zentrum und den Osten der Stadt. Im Stadtteil Addington, dem neuen In-Viertel, bezog ich erst einmal eine Einzelzelle im Gefängnis. Um mich wieder an die Arbeit und an Philips zu gewöhnen, mich sozusagen zu resozialisieren, hatte ich mich zu zwei Tagen Einzelhaft verknacken lassen. Die Wärterin gewährte mir aber für den Rest des Tages Freigang.
Meine letzte Unterkunft in Neuseeland: ehemaliges Gefängnis von Addington.
Ich spazierte mehrere Stunden durch die Innenstadt von Christchurch. Natürlich nur durch jene Bereich, die man betreten durfte. Der gesamte Central Business District wurde zur Red Zone erklärt und vollständig abgeriegelt. Das Gebiet wurde dominiert von Absperrgittern, Krähnen, Gerüsten, Schutthaufen und schweren Baumaschinen. In vielen Läden war noch das gesamte Sortiment vorhanden, ein Schild erklärte dann meist, dass das Gebäude für instabil erklärt wurde und nicht mehr betreten werden durfte. An vielen Türen waren auch noch die Graffiti zu sehen, die die Suchmannschaften nach der Suche aufgesprüht hatten. Es war schon ein wenig gespenstisch.

Größtenteils waren die Bauarbeiter mit Abrissarbeiten beschäftigt. Es wird wohl mehr als ein Jahrzehnt dauern, bis die letzten Spuren der Beben beseitigt sind. Viele öffentliche Einrichtungen, wie Galerien oder Museen, waren nach wie vor geschlossen.
Die Galerie hat geschlossen, die Wegweiser zeigen zu anderen Kunstwerken.
Es ist irgendwie merkwürdig, in einer Stadt zu sein, die kein Zentrum hat. Wo sucht man die Läden, Restaurants und Bars? Wo sind die Theater oder Kinos? Für Touristen ist Christchurch gerade ein etwas undankbares Ziel.
Originell: Geschäfte in Seecontainern.

Sonntag, 18. März 2012

Aoraki/Mount Cook National Park


Aufgewacht in: High Country Lodge, Twizel (3/5)

Meine gestrige Entscheidung, Aoraki/Mt Cook zumindest aus der Ferne zu betrachten, stellte sich als richtig heraus. Denn heute war er überhaupt nicht zu sehen. Das Wetter war wieder schlechter geworden und die Wolken hingen niedrig. Ich kam gegen 9 Uhr am Besucherzentrum des Nationalparks an und machte mich sogleich auf den Kea Point Walk.
Reste des Muller Glacier.
Kea sah ich keine. Es war vermutlich nicht ihr natürlicher Lebensraum, denn ich hatte sie seither nur auf Parkplätzen gesehen...
Es blies ein ziemlich starker Wind, der aber warm war, und es nieselte leicht. Es machte also richtig Spaß, draußen zu sein.
Kea Point Track.
Vom Kea Point Track nahm ich einen Querweg zum Hooker Valley Carpark von wo aus ich den Hooker Valley Track in Angriff nahm. Das Tal wirkte wohl als Düse, denn der Wind hatte hier Sturmstärke. Er war auch wesentlich kälter und wenn es nieselte, was ab und zu der Fall war, war es als ob kleine Nadeln ins Gesicht stachen. Der Track war sehr abwechslungsreich und machte trotz Wetter viel Spaß. Der Weg führte zum Hooker Glacier Lake in dem kleine Eisberge schwammen. Eigentlich sollte Aoraki/Mt Cook das Bild dominieren, aber außer Wolken war absolut nichts zu sehen.
Hooker Glacier Lake.
Auf dem Rückweg stoppte ich beim Alpine Memorial. Das Denkmal selber war nicht wirklich bemerkenswert, aber rings um den Sockel waren kleine Plaketten angebracht. Eine Plakette für jede Person, die im Nationalpark ums Leben gekommen ist. Vermerkt waren auch die Geburts- und Sterbedaten, der Unglücksort, die Stifter der Plakette und meist ein Sinnspruch. Ich las fast alle und es war doch ein wenig ergreifend.
Zurück beim Besucherzentrum stärkte mich erst einmal mit zwei Krümelmonsterkeksen. Ich habe diese Kekse in diesem Blog noch nicht erwähnt, dabei spielten sie für meine Ernährung hier eine große Rolle. Es  waren Riesencookies, auf deren Packung ein rotes Krümelmonster abgebildet war. Der Slogan war: "For real cookie munchers." Ein Keks machte für mehrere Stunden satt und sie schmeckten extrem lecker. Ich muss mal sehen, ob man die in Deutschland bekommen kann.
Danach fuhr ich zum Tasman Glacier. Unsealed road. Die Straße war trocken, aber es nieselte leicht und das Auto war deshalb nass. Staub und Nässe. Das Auto sah hinterher vielleicht aus. Dabei hatte ich beim Tanken morgens extra noch alle Fenster geputzt.
Tasman Glacier Lake mit Eisberg.
Der Tasman Glacier Lookout bot einen wirklich tollen Ausblick über den Gletscher und den See. Auch auf diesem See gab es kleine Eisberge. Ein weiterer Track führte zu den Blue Lakes, der treffendere Name wäre aber wohl Green Ponds. Diesen Weg kann man sich sparen. Auch der Track zum Tasman River bot wenig Neues.
Da es erst vier Uhr war, fuhr ich zurück zum Visitor Centre. Dieses beinhaltete eine sehr interessante Ausstellung über Aoraki/Mt Cook. Es gab Erklärungen zur Geologie, den Tieren und Pflanzen, den Besteigungen und zur Besiedlung der Gegend. Leider schloss das Zentrum schon um fünf Uhr, so dass ich nicht alles anschauen konnte.
Noch einmal das unglaubliche Blau von Lake Pukaki.
Nach meiner Rückkehr nach Twizel konnte ich nicht wiederstehen. Ich ging noch einmal Käsekuchen essen.

Samstag, 17. März 2012

Central Otago


Aufgewacht in: Ranfurly Lion Hotel, Ranfurly (3/5)

Central Otago ist eine der trockensten Gegenden Neuseelands. Ich habe den präriehaften Charakter ja schon im gestrigen Eintrag beschrieben. Auf dem State Highway 85 ging es weiter durch diese tolle Landschaft. Otago ist auch bekannt für seinen Goldrausch im 19. Jahrhundert. Damals lebten in der Provinz mehr Menschen als auf der Nordinsel. In einer dieser Goldgräberstädte mit ehemals mehreren Tausend Einwohnen, St. Bathans, stoppte ich das erste Mal. Heute lebt hier kaum noch jemand, aber die Goldgräber haben zumindest einen See hinterlassen. Ihr Tagebau ist über die Jahrzehnte mit Wasser voll gelaufen und so entstand der Blue Lake.
Blue Lake.
Er ist tatsächlich von einer schönen blauen Farbe, die Hauptattraktion waren für mich aber die "Abraumhalden" neben dem See. Diese bestehen aus weißem Geröll und bilden eine absolut bizarre Hügellandschaft. Ich war mehr als eine Stunde lang dort unterwegs.
Abraumhalden beim Blue Lake.
Mein nächster Stopp war dann Clyde. Dort sollte es eine süße Wildwest-Stadt geben. Naja, zehn Häuser, muss man nicht gesehen haben. Das Wasserkraftwerk am Clyde Dam war da wesentlich interessanter.
In Cromwell stoppte ich ebenfalls. Als in den 1990ern der Clyde Dam gebaut wurde, verschwand ein großer Teil von Cromwell im Lake Dunstan. Deshalb befindet sich das "Town Centre" in Cromwell interessanterweise am Ortsrand. Einige alte Häuser wurden am neuen Seeufer rekonstruiert, das ganze mutete aber eher nach Disneyland an.
Western Town Cromwell.
Auch die weitere Strecke, entlang Lake Dunstan und über den Lindis-Pass, war wieder sehr "scenic". Das absolute Highlight des Tages stand aber noch bevor: die Clay Cliffs bei Omarama. Es war etwas abenteuerlich dorhin zu kommen. Erst ging es ab vom State Highway auf eine normale Straße, von dieser dann auf eine unsealed road und schließlich stand man vor einem Tor. Ein Schild erklärte, dass es nun auf einer Privatstraße weiterginge und dass man dafür pro Fahrzeug 5 NZD Maut bezahlen müsse. Das Geld war in einen aufgestellten Behälter zu werfen, das Tor musste man selber bedienen. Der Behälter quoll beinahe über vor 5-Dollar-Noten, wirklich dringend schien der Besitzer das Geld nicht zu brauchen und Kriminalität schien in der Gegend auch kein Problem zu sein.
Am Lindis-Pass.
Nach weiteren vier Kilometern auf der noch schlechteren Privatstraße kam ein weiteres Tor. Ein anderer Mietwagenbesitzer hatte hier aufgegeben und das Auto abgestellt. Ich beschloss, einfach mal weiterzufahren. Tatsächlich ging es noch einen Kilometer weiter, die Cliffs waren auch schon zu sehen, dann kam ein Schild "4WD only". Das war der Ford definitiv nicht. Ich musste also mit meinem 2-Bein-Antrieb weiter. Des Schildes hätte es nicht bedurft. Die Straße war in einem so schlechten Zustand, dass nur ein Schwachsinniger mit einem normalen Auto weitergefahren wäre.
Clay Cliffs.
Am Ende der 4WD-Strecke gab es dann einen etwa eineinhalb Meter breiten Spalt der in das Innere der Cliffs führte. Hinter dem Spalt öffnete sich ein etwa 50 Meter durchmessender Kessel, der ringsum von den bizarren Säulenformationen umgeben war. Ich war begeistert. Ich verbrachte mehr als eine Stunde damit, die Cliffs zu erkunden.
Schließlich fuhr ich schweren Herzens weiter. Es waren noch etwa 25 Kilometer bis Twizel, dem Ziel der heutigen Etappe. Die Gegend hinter dem Lindis-Pass, Mackenzie Country, war wieder größtenteils flach und trocken. Als ich mich Twizel näherte, konnte ich in der Ferne Aoraki/Mt. Cook ausmachen. Also fuhr ich an Twizel vorbei bis zum Südende von Lake Pukaki von wo aus man einen fantastischen Blick quer über den See auf den Berg hatte. Lake Pukaki war von einem unglaublichen, unbeschreiblichen Blau, dahinter, auf halber Höhe von einigen Wolken umspielt, majestätisch, Aoraki/Mt. Cook. Ein magischer Anblick. Nachdem ich eine halbe Stunde lang Berg und See bestaunt hatte fuhr ich dann zurück nach Twizel.
Lake Pukaki und Aoraki/Mt Cook.
Der Abend klang mit einem weiteren Highlight aus: dem New York Style Cheesecake von Shawty's. Ich hatte das Restaurant nur aufgesucht, weil es einen Zenbu-Hotspot hatte, aber der Käsekuchen war wirklich wahnsinnig lecker.

Freitag, 16. März 2012

Taieri Gorge Railway


Aufgewacht in: Hogwartz, Dunedin (4/5)

Ich hatte früher oft gespottet, dass Tourismus-Züge wie der Glacier-Express nur was für Ferrophile oder Rentner seien. Heute setzte ich mich selber in einen. Die Eisenbahn spielt in Neuseeland nur noch im Güterverkehr eine Rolle, einige Personenzüge gibt es zwar noch (zum Beispiel Auckland-Wellington), aber wer kann nimmt das Flugzeug. Dabei war das Netz einmal erstaunlich dicht, aber in den 1980ern und 1990ern wurden die meisten Strecken stillgelegt.
Bahnhof von Dunedin.
Eine Strecke, die als Tourismusbahn überlebt hat ist die Taieri Gorge Railway. Früher fuhr sie einmal bis nach Cromwell in Central Otago, heute endet sie in Middlemarch. Auf dem Rest der Strecke hat man die Schienen entfernt und sie in einen Radweg umgewandelt, den Otago Central Rail Trail.
Ich machte mich also am Morgen auf zur Dunedin Railway Station, einem sehr beeindruckenden Bau aus der Zeit, als die Eisenbahn die weite Welt verkörperte. In meinem Wagen saßen nur vier Personen, der Zugchef kündigte aber an, dass der Zug in Middlemarch voll werden würde. Punkt 9 Uhr zuckelte der Zug dann los. Er fuhr selten schneller als 40 Stundenkilometer, oft kroch er mit 15 Stundenkilometern über die alte Strecke. Die Schienen waren nicht verschweißt, so dass der Wagen immer ruckelte und schaukelte und diesen typischen da-dam, da-dam Ton erzeugte.
Fotostopp.
Das erste Drittel der Strecke war recht langweilig, erst als es dann tatsächlich in die Taieri-Schlucht ging, wurde es interessant. Wieder eine absolut wildromantische Landschaft und wie die Strecke zum Teil aus dem Feld gehauen wurde war sehr abenteuerlich. Da der Wagen so leer war, konnte man problemlos die Seiten wechseln, je nachdem, wo es gerade etwas zu sehen gab. Leider bestand der Zug nur aus "modernen" Wagen, bei denen sich die Fenster nicht öffnen ließen und die auch keine offenen Plattformen zwischen den Wagen hatten. In Dunedin war ein Zug aus "alten" Wagen, so richtig mit offenen Plattformen und allem, herumgestanden, aber wie es sich herausstellte, war dies der Nachmittagszug. Schade.
Gegen Mittag waren wir in Middlemarch, wo es eine Stunde Aufenthalt gab. Es stiegen tatsächlich 80 Personen zu, die zum größten Teil den Otago Central Rail Trail abgeradelt hatten. Die meisten Fahrradverleiher bieten auch einen Gepäcktransportservice, so dass man ganz unbeschwert radeln kann. Vor dem "Bahnhof" wimmelte es nur so von Kleinbussen von Fahrradverleihern und Unmengen an Gepäck wurden zum Zug geschleppt, der sogar einen Gepäckwagen mitführte.
Mein Wagen war tatsächlich voll und da ich auf der langweiligen Bergseite saß, verbrachte ich die Rückfahrt damit, den Kepler-Track nachzubloggen.
Cadbury-Schokoladenfabrik.
Viele Touristen besuchen auch die örtliche Cadbury-Schokoladenfabrik, direkt gegenüber des Bahnhofs. Ich hatte mich in den letzten 5 Wochen durch das Schokoladensortiment Neuseelands gegessen und nichts gefunden, was mir wirklich zugesagt hätte. Selbst die Schokolade auf den Schoko-Croissants schmeckte merkwürdig und auch ein Mars-Rigel schien hier unten anders zu schmecken. Letzteres haben mir mehrere europäische Touristen bestätigt. Alles in allem scheinen die Kiwis einen anderen Schokoladengeschmack zu haben. Ich strich also die Schoko-Fabrik von meiner Liste.
Vom Bahnhof aus fuhr ich dann weiter zur Baldwin Street. Das ist angeblich die steilste Straße der Welt. Ich bin sie einmal hoch- und wieder runtergegangen. Bei einem Wanderweg wäre die Steigung nicht weiter bemerkenswert. Meinem Ford wollte ich sie dann aber doch nicht zumuten.
Nichts für den Ford Focus: Baldwin Street.
Auf dem State Highway 1 ging es dann weiter nach Norden. Der Verkehr in der Stadt und auf dem Highway nervte mich, dauernd wurde gedrängelt und gerast. Nach der Einsamkeit des Südens konnte ich mich mit den vielen Autos nicht so richtig anfreunden. In Palmerston bog ich dann auf den State Highway 85 ab, der auch The Pigroot genannt wird. Es war gleich eine völlig andere Welt. Kaum Verkehr und dafür wieder ganz viel Landschaft. Zunächst bestand diese aus hohen, sanft gerundeten Bergen, die vollständig mit Gras bewachsen waren. Es gab keine Bäume und nur selten Büsche. Das Gras war gelb und braun, alles schien sehr trocken zu sein. Später gingen die Berge dann in ein flaches, trockenes Grasland über, das an eine Prärie erinnerte. Hin und wieder sah man große Bewässerungsanlagen, da war das Gras dann grün. Auch die Schafe sahen anders aus, vermutlich waren es Prärieschafe...
Recht trocken: Central Otago.
Der Tag endete in Ranfurly, wo ich im Ranfurly Lion Hotel ein Zimmer reserviert hatte. Ranfurly hatte tatsächlich ein paar Art-Deco-Gebäude, unter anderem das Hotel. Diese waren aber nicht so schick wie die in Napier. Sie nannten es auch bescheiden "rural art deco".

Donnerstag, 15. März 2012

Otago Peninsula


Aufgewacht in: Catlins Gateway Motel, Owaka (4/5)

In der Nacht wurde ich durch ein infernialisches Dröhnen geweckt. Ein wahrer Wolkenbruch prasselte auf das Blechdach des Motels. Auch als ich morgens ins Auto stieg, regnete es noch ziemlich stark. Ich hatte in den Catlins noch eine Attraktion nachzuholen, die in keinem Neuseelandkalender fehlt: Nugget Point. Dorthin führte natürlich wieder eine unsealed road, die nach dem Wolkenbruch der Nacht in einem ziemlich schlechten Zustand war. Da gegen acht Uhr noch keine anderen Autos unterwegs waren konnte ich zumindest die ganze Straßenbreite nutzen, um den Schlaglöchern auszuweichen. Am Nugget Point nieselte es nur noch schwach und schließlich hörte der Regen ganz auf. Allerdings blies ein eisiger Südwestwind mit etwa 6 Windstärken direkt aus der Antarktis. Brrr. Menschen gab es außer mir noch keine dort. Vermutlich ist Nugget Point bei schönem Wetter, wenn der Wind nicht an der Kleidung zerrt und die Brandung nicht tost, nur halb so eindrucksvoll.
Nugget Point.
Als ich mich wieder ins Auto setzte, waren am Himmel erste zarte blaue Streifen zu erahnen. Allerdings im Süden und ich fuhr nach Norden, dem Regen hinterher. Das heutige Ziel war Dunedin, die Hauptstadt von Otago. Je weiter ich fuhr, desto düsterer und trüber wurde es. Herbstlich. Ich war zum Ende der Sommerferien hier angekommen, jetzt nach 5 Wochen, schien der Herbst vor der Tür zu stehen.
Gegen Mittag erreichte ich Dunedin. Die Stadt trägt nicht nur einen schottischen Namen, sie gibt sich auch sehr schottisch. In der Mitte des zentralen Platzes thronte Robbie Burns und statt Irish Pubs gab es schottische Pubs, die Haggis und Whisky anpriesen. Sehr hügelig war Dunedin auch, mit vielen steilen Straßen. Einmal drehten mir beim Anfahren am Berg auf der nassen Straße die Vorderräder durch und das Auto rutschte fröhlich nach links und nach rechts.
Ich erkundete zwei Stunden lang den CBD und wurde dann gegen drei Uhr von einem Shuttle von Elm Wildlife Tours aufgesammelt. Tiere sind ja eigentlich nicht so mein Ding, aber die Peninsula  Encounters Tour wurde mir bestimmt von einem halben Dutzend Leute ans Herz gelegt. Wir fuhren also auf die Otago Peninsula und starteten mit einer Runde Birdspotting. Jeder bekam ein Fernglas und sobald ein Guide einen Vogel erspähte hielt der Bus an. Während wir das Tier betrachteten erzählte der Guide allerlei Interessantes.
Einfahrt zum Otago Harbour.
Danach ging es weiter zum Royal Albatross Centre. Die Leute, die die Albatros-Option gekauft hatten, durften einen Blick auf die nistenden Vögel werfen. Wir anderen bekamen nur fliegende Albatrose zu Gesicht. Nach einer Fahrt auf die andere Seite der Halbinsel wurde eine Robbenkolonie besichtigt. Es wimmelte von Babyrobben und die Japanerinnen in unserer Gruppe fotografierten sich fast in die Besinnungslosigkeit. Eine kurze Wanderung brachte uns an einen Strand wo es Gelbaugenpinguine und Seelöwen zu sehen geben sollte.
Kuschelnde Seelöwen.
Die Seelöwen waren da und randalierten ziemlich, was wiederum die Pinguine, die auf See zum Fressen waren, davon abhielt an Land zu kommen. Wir mussten einen weiteren Berg besteigen um wenigstens einige Pinguine in der Mauser zu sehen. Die Viecher stehen während dieser Zeit einfach nur da. 3 Wochen lang. Den Berg teilten sich die Pinguine übrigens mit Schafen. Es war schwer zu entscheiden, welches das dümmere Tier war. Auf dem Rückweg entdeckten wir noch einen verletzten Jungpinguin. Er war erst in diesem Sommer geboren worden und sollte jetzt eigentlich auf dem Meer sein. Er war aber wohl durch einen Barrakuda am Fuß verletzt worden und deshalb zum Geburtsort zurückgekehrt. Der Guide meinte, er würde wohl überleben.
Verletzter Pinguin.
Trotz meines generellen Desinteresses an Tieren war die Tour doch interessant. Das lag weniger an den Viechern als an den Guides, die wahnsinnig viel und wahnsinnig gut erklärten. Der Wind auf der Halbinsel war wieder mörderisch und trotz T-Shirt, Pulli, Windjacke und Sonne war mir kalt. Ja, irgendwie fühlte ich mich an den Herbst erinnert.
Gegen 21 Uhr war ich wieder in Dunedin. In der Stadt herrschte tote Hose. Das ist eine Unistadt mit 30.000 Studenten. Da muss doch was gehen? Na ja, ein paar betrunkene Studenten sah ich doch. Sie scheinen sich zum Ausgehen hier recht fein zu machen und um zehn Uhr schon sternhagelvoll zu sein. Leider hatte ich keinen Guide, der mich über das Sozialverhalten dieser adoleszenten, zweibeinigen Säugetiere aufklären konnte.

Mittwoch, 14. März 2012

Southern Scenic Route


Aufgewacht in: Parklands Motel, Te Anau (4/5)

Nach 3 Tagen zu Fuß war heute mal wieder das Auto dran. Von Te Anau aus ging es auf der Southern Scenic Route nach Süden, bis zur Te Waewae Bay und dann entlang der Foveaux Strait über Invercargill und die Catlins bis nach Owaka. Am Ende standen weitere 400 Kilometer auf dem Tacho.
Ich war am Vorabend, müde vom Kepler-Track, recht früh ins Bett gegangen und so konnte ich mit dem Sonnenaufgang, kurz vor Acht, aufbrechen. Die ersten zwei Stunden, bis zur Te Waewae Bay, waren wieder unglaublich. Die Morgensonne tauchte die traumhafte Landschaft in ein magisches Licht und ich hatte die Straße ganz für mich alleine. So macht Autofahren Spaß. Die Gegend war extrem dünn besiedelt, die Schafe dominierten.
Clifden Suspension Bridge, einer der längsten Hängebrücken der Südinsel.
An der Südküste wurden die Orte wieder häufiger und schließlich erreichte ich Invercargill, das Zentrum von Southland. Die Main Street war hier acht Spuren breit, die normalen Wohnstraßen hatte vier und da auch die Reiseführer nicht viel Positives zu berichten hatten stoppte ich nur kurz um zu Tanken und Einzukaufen. Danach ging es weiter Richtung Catlins.
Dort folgte ich zunächst der Coastal Route, die leider größtenteils unsealed war. Mein erster Stopp in der Gegend war Waipapa Point. Dort gab es einen Leuchtturm und einige interessante Schautafeln. Diese beschrieben die Geschichte des Leuchtturms und des Schiffsunglücks, das zu seinem Bau führte, sowie das Leben der Leuchtturmwärter. Alles ganz nett, muss man aber nicht gesehen haben.
Auch mein nächster Halt war recht enttäuschend: Slope Point, der südlichste Punkt der Südinsel. Eine Tafel und ein ziemlich hässliches Leuchtfeuer waren alles, was man dort zu sehen bekam. Und dafür war ich 12 Kilometer durch den Staub gefahren?
Fahrt da nicht hin, das ist alles was ihr bekommt: Slope Point.
Erst Curio Bay war interessanter: hier gab es einen versteinerten Wald, der bei Niedrigwasser am Strand zu sehen war. Gelbaugenpinguine soll es auch geben, allerdings erst abends, ich sah am Mittag jedenfalls keinen.
Versteinerter Baum in Curio Bay.
Das faszinierendste in dieser Gegend waren die Bäume. Es gab keinen einzigen Baum der gerade gewachsen war. Alle Bäume mussten sich dem Wind beugen; die vorherrschende Windrichtung war sehr einfach auszumachen.
Einmal fönen, bitte. Windgebeugter Baum bei Waipapa Point.
Als nächstes klapperte ich einige Wasserfälle ab. Dass hier bei mir eine gewisse Sättigung eingesetzt hatte, habe ich schon erwähnt, deshalb nur kurz eine Aufzählung: McLean Falls, Matai Falls, Purakaunui Falls. Es war sehr lustig: bei allen Wasserfällen traf ich die gleichen Leute. Wir hätten auch im Konvoifahren können... Die Straße zu den McLean Falls war wieder einmal unsealed und dort verlor ich eine weitere Radabdeckung. Ich bemerkte es aber und konnte siewieder einsammeln. Allerdings verzichtete ich darauf, sie auch wieder aufzusetzen. Stattdessen lagerte ich sie im Kofferraum. Sicher ist sicher.
Ja, ja, schon wieder ein Wasserfall: McLean Falls.
Die Cathedral Caves, eine weitere Must-See-Attraktion, schenkte ich mir. Ich hatte ja schon die Cathedral Cove auf Coromandel gesehen. Ein getauschter Vokal reichte nicht aus, mein Interesse zu wecken... Der Punkt in den Catlins, von dem ich mir am meisten versprochen hatte, die Lost Gypsy Gallery in Papatowai, war mittwochs geschlossen. Schade.
Owaka war ein ziemliches Kaff, das Museum soll recht gut sein, hatte aber schon geschlossen als ich ankam. So fuhr ich noch zur Surat Bay, wo es einen schönen Strand mit Seelöwen geben sollte. Den Strand fand ich - und sogar einen schlafenden Seelöwen. Also ich vermutete, dass er schlief. Er lag einfach so da und bewegte sich nicht. Vielleicht war er auch tot, ich mochte aber nicht gleich das Schlimmste annehmen.
Auf der Southern Scenic Route habe ich weitaus mehr Schafe als Menschen gesehen.
Nach einem sonnigen Start in Fjordland wurde das Wetter recht trübe, allerdings regnete es nicht. Kühl war es aber und sehr windig. In meinem Motel bedauerte ich wieder einmal die neuseeländische "Baukunst": es zog durch die zahlreichen Ritzen und die Temperatur hatte fast Luxmore-Hut-Niveau. So nahm ich den vorhandenen Heizlüfter in Betrieb. Egal, wo ich seither war, wenn es eine Heizgelegenheit gab, war es ein elektrischer Heizlüfter. Im Bereich Isolation und Heizen haben die Kiwis noch enormes Verbesserungspotential.

Dienstag, 13. März 2012

Kepler Track. Tag 3.


Aufgewacht in: Iris Burns Hut, Kepler Track (2/5)

Diese Nacht verlief weitaus schlechter, als die vorherige. Im Nachbarbett lag ein superlauter Schnarcher der sogar mein Oropax durchdrang. Das fehlende Kissen machte sich jetzt auch bemerkbar. Irgendwie konnte ich keine bequeme Position finden und schlief sehr unruhig. Ich stand also recht früh auf und machte mich gegen halb Neun wieder auf den Weg. Die meisten anderen Wanderer verbrachten eine weitere Nacht in einer Hütte, ich dagegen wollte die restlichen 34 Kilometer bis Te Anau an einem Tag zurücklegen. Der Tag war wettermäßig der schönste auf dem Track. Schon der Morgenhimmel war strahlend blau und es wurde ein warmer, sonniger Tag. Am Morgen selber war es in dem schattigen Tal aber noch recht kühl, die Gräser trugen zum Teil Raureif.
Iris Burns Valley am Morgen.
Der Weg führte durch Wald und durch ein Gebiet, in dem ein großer Erdrutsch, "The Big Slip", niedergegangen war. Er war sehr abwechslungsreich und es ging größtenteils leicht bergab, ab und an war ein niedriger Sattel zu überwinden. Gegen Mittag erreichte ich Moturau Hut am Lake Manapouri, die Hütte für die dritte Nacht. Die Hütte lag absolut paradiesisch an einem wunderschönen Strand, vor einem klaren, blauen See mit einer atemberaubenden Berglandschaft als Hintergrund. Es war aber nicht das Paradies, sondern die Erde und so wimmelte es nur so von Sandflies. Ich rastete eine halbe Stunde und wanderte dann weiter.
Blick von der Moturau Hut.
Der Weg führte weiter durch Wald, dann durch Wetland und schließlich entlang des Waiau River zu Rainbow Reach. Der Track bis hierher war toll und hatte wieder viel Spaß gemacht. Die meisten Wanderer, die sich die dritte Nacht sparen, beenden den Track bei Rainbow Reach und nehmen ein Shuttle zurück zum Startpunkt. Ich wanderte weiter, zurück zu den Control Gates, aber es lohnte sich nicht wirklich. Es gab nur Wald, und zwar Wald von der langweiligen Sorte. Diesen Abschnitt kann man sich wirklich sparen. Gegen 16 Uhr war ich dann zurück in Te Anau.
Wetland am Track.
Bei den Control Gates traf ich eine Gruppe von deutschen Studenten, die sich gerade auf den Weg zu Brod Bay machte. Sie wollten sich die Hütten sparen und den Track campend bezwingen. Sie gingen naiverweise davon aus, dass das Sommerwetter im Tal auch auf den Bergen herrschen würde und hatten keinerlei Regenkleidung dabei. Als sie hörten, dass ich sogar Handschuhe getragen hatte waren sie etwas verunsichert, aber ihr Optimismus siegte. Ranger Robbie hatte zu mir gesagt: "We have a lot of Germans. They are the best equipped. But also the worst." Ich hoffte, dass die Kiddies gutes Wetter haben würden.
Waiau River.
Zurück im Motel kochte ich sofort eine Riesenmenge Pasta. Da ich keinen Topf mitschleppen wollte, hatte ich mich in den letzten drei Tagen nur kalt ernährt. Um Punkt halb Sechs enterten zwei neuseeländische Rentnerpaare die (Gemeinschafts-) Küche. Bei beiden Paaren gab es Würstchen mit Bohnen. In den Supermärkten wimmelt es nur so von Würstchen. Scheint hier sehr beliebt zu sein.
Alles in allem war der Kepler Track wirklich schön. Wenn ich ihn noch einmal wandern würde, würde ich ihn allerdings in der umgekehrten Richtung und abgekürzt in 2 Tagen versuchen. Mit dem Shuttle nach Rainbow Reach und von dort nach Iris Burn. Dort über die Nacht und den alpinen Teil am zweiten Tag. Von Brod Bay dann mit dem Wassertaxi zurück. Setzt gutes Wetter und ein gewisses Maß an Fitness voraus, bietet aber alle Highlights und spart die langweiligeren Teile.
Control Gates. Da hatte wohl jemand keine Lust mehr...

Montag, 12. März 2012

Kepler Track. Tag 2.


Aufgewacht in: Luxmore Hut, Kepler Trach (2/5)

Die Münchner erzählten mir am Morgen, dass die Nacht sehr unruhig gewesen sei und dass jemand nach einem Albtraum sogar herum geschrien habe. Dank meines Oropax hatte ich von all dem aber nichts mitbekommen und erstaunlich gut geschlafen. Die Matratze war etwas hart und ich hatte mein aufblasbares Kissen vergessen so dass mein Hals ein wenig steif war. Dennoch schlief ich bis gegen 8 Uhr durch.
Hütte über den Wolken: Luxmore Hut.
Das Wetter war besser geworden. Die Sonne schien, es gab einige tief hängende Cumulus-Wolken und die Hütte lag über den Wolken. Zwischen den Wolken sah man sah Lake Te Anau und die Murchison Mountains. Ein großartiger Morgen. Allein dafür hatte sich der Aufstieg am Vortag gelohnt.
Ich machte noch einen kurzen Abstecher zu einer nahen Höhle, der Luxmore Cave, und gegen halb Zehn wanderte ich dann los. Ich war so ziemlich der Letzte, der aufbrach. Aber die anderen waren ja auch schon seit sechs Uhr wach...
Gipfel des Mount Luxmore in Wolken. Zu erahnen: Lake Te Anau.
Der Weg stieg zunächst weiter an zum Luxmore Saddle auf 1400 Meter, dem höchsten Punkt des Tracks. Von dort unternahm ich einen Abstecher zum Gipfel des Mount Luxmore (1472 Meter). Allerdings war das Wetter schon wieder schlechter geworden. Die Wolken hatten zugenommen, ebenso der Wind, der Wetterbericht versprach bis zu 80 km/h im Mittel. Der Gipfel von Mount Luxmore lag vollständig in Wolken, der Wind war stürmisch und die gefühlte Temperatur lag nahe am Gefrierpunkt. Ich war sehr froh in Queenstown die Handschuhe gekauft zu haben. Hin und wieder riss der Wind die Wolken für einige Sekunden auf und man hatte einen fantastischen Rundumblick.
Etwa die Hälfte des alpinen Teils dieser zweiten Etappe verbrachte ich in Wolken. Es war kalt und windig und man hielt besser nicht an, da man sonst sofort auskühlte.
Wandern auf schmalem Grat.
Aber die andere Hälfte machte diese Unannehmlichkeiten mehr als wett. Die Aussicht war gigantisch und änderte sich mit jeder Bergflanke die man umrundete. Gegen Ende des alpinen Teils gab es einen Regenbogen, den man über eine Stunde lang sehen konnte. Der Weg selber war auch sehr abwechslungsreich: er war recht wellig, immer wieder ging es hoch und runter, dazwischen gab es aber auch flache Passagen zum Verschnaufen. Dieser alpine Abschnitt machte wahnsinnig Spaß. Er hatte nur einen Schwachpunkt: er war viel zu kurz. Der Abstieg zur Iris Burns Hut (497 Meter) kam überraschend früh und war sehr steil. Viele Stufen und Serpentinen machten ihn zu einer echten Belastung für die Knie.
Der Dauerregenbogen.
Ich hatte auf dem Berg das Feld von hinten aufgerollt und erreichte die Hütte als Erster gegen 14 Uhr. Es war ein wenig gespentisch. Die Hütte war komplett leer, alle Türen standen offen und es war kein Mensch weit und breit zu sehen. Auch vom Ranger keine Spur. Gerade als ich bei der Hütte ankam, fing es zudem an zu regnen. Ich suchte mir ein Bett aus, ich hatte ja die Qual der freien Wahl, aß etwas und verbrachte einige Stunden mit Lesen.
Iris Burns Hut.
Am Abend schien wieder die Sonne und ich erkundete die Umgebung der Hütte und machte einen Abstecher zu den Iris Burns Falls. Die Gegend war aber Sandfly Country und lud nicht zum Verweilen ein.
Iris Burns Falls.
Gegen acht Uhr hatte dann Ranger Robbie seinen Auftritt. Er redete fast eine Stunde lang, machte die üblichen Sicherheitseinweisungen und erzählte Anekdoten über Kepler und Milford Track. Er hatte echte Entertainer-Qualitäten und war sehr unterhaltsam, die Stunde verging wie im Fluge.
Er erwähnte auch, dass es in der Umgebung der Hütte mehrere Kiwis gebe und spielte Kiwi-Rufe vor. Das diente den meisten Hütten-Gästen als Ansporn und nach Einbruch der Dunkelheit machten sich mehrere Kiwi-Suchteams auf den Weg. Erfolgreich waren sie aber nicht. Vermutlich war es einfach nicht hilfreich, mit Taschenlampen mit gefühlten 3000 Lumen durch den Wald zu stapfen...
Nach dem Verlöschen der elektrischen Beleuchtung saß ich noch eine Stunde auf der Veranda und betrachtete den Sternenhimmel. Er war hier, fern aller Zivilisation, von einer atemberaubenden Klarheit.