Freitag, 16. März 2012

Taieri Gorge Railway


Aufgewacht in: Hogwartz, Dunedin (4/5)

Ich hatte früher oft gespottet, dass Tourismus-Züge wie der Glacier-Express nur was für Ferrophile oder Rentner seien. Heute setzte ich mich selber in einen. Die Eisenbahn spielt in Neuseeland nur noch im Güterverkehr eine Rolle, einige Personenzüge gibt es zwar noch (zum Beispiel Auckland-Wellington), aber wer kann nimmt das Flugzeug. Dabei war das Netz einmal erstaunlich dicht, aber in den 1980ern und 1990ern wurden die meisten Strecken stillgelegt.
Bahnhof von Dunedin.
Eine Strecke, die als Tourismusbahn überlebt hat ist die Taieri Gorge Railway. Früher fuhr sie einmal bis nach Cromwell in Central Otago, heute endet sie in Middlemarch. Auf dem Rest der Strecke hat man die Schienen entfernt und sie in einen Radweg umgewandelt, den Otago Central Rail Trail.
Ich machte mich also am Morgen auf zur Dunedin Railway Station, einem sehr beeindruckenden Bau aus der Zeit, als die Eisenbahn die weite Welt verkörperte. In meinem Wagen saßen nur vier Personen, der Zugchef kündigte aber an, dass der Zug in Middlemarch voll werden würde. Punkt 9 Uhr zuckelte der Zug dann los. Er fuhr selten schneller als 40 Stundenkilometer, oft kroch er mit 15 Stundenkilometern über die alte Strecke. Die Schienen waren nicht verschweißt, so dass der Wagen immer ruckelte und schaukelte und diesen typischen da-dam, da-dam Ton erzeugte.
Fotostopp.
Das erste Drittel der Strecke war recht langweilig, erst als es dann tatsächlich in die Taieri-Schlucht ging, wurde es interessant. Wieder eine absolut wildromantische Landschaft und wie die Strecke zum Teil aus dem Feld gehauen wurde war sehr abenteuerlich. Da der Wagen so leer war, konnte man problemlos die Seiten wechseln, je nachdem, wo es gerade etwas zu sehen gab. Leider bestand der Zug nur aus "modernen" Wagen, bei denen sich die Fenster nicht öffnen ließen und die auch keine offenen Plattformen zwischen den Wagen hatten. In Dunedin war ein Zug aus "alten" Wagen, so richtig mit offenen Plattformen und allem, herumgestanden, aber wie es sich herausstellte, war dies der Nachmittagszug. Schade.
Gegen Mittag waren wir in Middlemarch, wo es eine Stunde Aufenthalt gab. Es stiegen tatsächlich 80 Personen zu, die zum größten Teil den Otago Central Rail Trail abgeradelt hatten. Die meisten Fahrradverleiher bieten auch einen Gepäcktransportservice, so dass man ganz unbeschwert radeln kann. Vor dem "Bahnhof" wimmelte es nur so von Kleinbussen von Fahrradverleihern und Unmengen an Gepäck wurden zum Zug geschleppt, der sogar einen Gepäckwagen mitführte.
Mein Wagen war tatsächlich voll und da ich auf der langweiligen Bergseite saß, verbrachte ich die Rückfahrt damit, den Kepler-Track nachzubloggen.
Cadbury-Schokoladenfabrik.
Viele Touristen besuchen auch die örtliche Cadbury-Schokoladenfabrik, direkt gegenüber des Bahnhofs. Ich hatte mich in den letzten 5 Wochen durch das Schokoladensortiment Neuseelands gegessen und nichts gefunden, was mir wirklich zugesagt hätte. Selbst die Schokolade auf den Schoko-Croissants schmeckte merkwürdig und auch ein Mars-Rigel schien hier unten anders zu schmecken. Letzteres haben mir mehrere europäische Touristen bestätigt. Alles in allem scheinen die Kiwis einen anderen Schokoladengeschmack zu haben. Ich strich also die Schoko-Fabrik von meiner Liste.
Vom Bahnhof aus fuhr ich dann weiter zur Baldwin Street. Das ist angeblich die steilste Straße der Welt. Ich bin sie einmal hoch- und wieder runtergegangen. Bei einem Wanderweg wäre die Steigung nicht weiter bemerkenswert. Meinem Ford wollte ich sie dann aber doch nicht zumuten.
Nichts für den Ford Focus: Baldwin Street.
Auf dem State Highway 1 ging es dann weiter nach Norden. Der Verkehr in der Stadt und auf dem Highway nervte mich, dauernd wurde gedrängelt und gerast. Nach der Einsamkeit des Südens konnte ich mich mit den vielen Autos nicht so richtig anfreunden. In Palmerston bog ich dann auf den State Highway 85 ab, der auch The Pigroot genannt wird. Es war gleich eine völlig andere Welt. Kaum Verkehr und dafür wieder ganz viel Landschaft. Zunächst bestand diese aus hohen, sanft gerundeten Bergen, die vollständig mit Gras bewachsen waren. Es gab keine Bäume und nur selten Büsche. Das Gras war gelb und braun, alles schien sehr trocken zu sein. Später gingen die Berge dann in ein flaches, trockenes Grasland über, das an eine Prärie erinnerte. Hin und wieder sah man große Bewässerungsanlagen, da war das Gras dann grün. Auch die Schafe sahen anders aus, vermutlich waren es Prärieschafe...
Recht trocken: Central Otago.
Der Tag endete in Ranfurly, wo ich im Ranfurly Lion Hotel ein Zimmer reserviert hatte. Ranfurly hatte tatsächlich ein paar Art-Deco-Gebäude, unter anderem das Hotel. Diese waren aber nicht so schick wie die in Napier. Sie nannten es auch bescheiden "rural art deco".

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