Aufgewacht in: Iris Burns Hut, Kepler Track (2/5)
Diese Nacht verlief weitaus schlechter, als die vorherige. Im Nachbarbett lag ein superlauter Schnarcher der sogar mein Oropax durchdrang. Das fehlende Kissen machte sich jetzt auch bemerkbar. Irgendwie konnte ich keine bequeme Position finden und schlief sehr unruhig. Ich stand also recht früh auf und machte mich gegen halb Neun wieder auf den Weg. Die meisten anderen Wanderer verbrachten eine weitere Nacht in einer Hütte, ich dagegen wollte die restlichen 34 Kilometer bis Te Anau an einem Tag zurücklegen. Der Tag war wettermäßig der schönste auf dem Track. Schon der Morgenhimmel war strahlend blau und es wurde ein warmer, sonniger Tag. Am Morgen selber war es in dem schattigen Tal aber noch recht kühl, die Gräser trugen zum Teil Raureif.
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| Iris Burns Valley am Morgen. |
Der Weg führte durch Wald und durch ein Gebiet, in dem ein großer Erdrutsch, "The Big Slip", niedergegangen war. Er war sehr abwechslungsreich und es ging größtenteils leicht bergab, ab und an war ein niedriger Sattel zu überwinden. Gegen Mittag erreichte ich Moturau Hut am Lake Manapouri, die Hütte für die dritte Nacht. Die Hütte lag absolut paradiesisch an einem wunderschönen Strand, vor einem klaren, blauen See mit einer atemberaubenden Berglandschaft als Hintergrund. Es war aber nicht das Paradies, sondern die Erde und so wimmelte es nur so von Sandflies. Ich rastete eine halbe Stunde und wanderte dann weiter.
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| Blick von der Moturau Hut. |
Der Weg führte weiter durch Wald, dann durch Wetland und schließlich entlang des Waiau River zu Rainbow Reach. Der Track bis hierher war toll und hatte wieder viel Spaß gemacht. Die meisten Wanderer, die sich die dritte Nacht sparen, beenden den Track bei Rainbow Reach und nehmen ein Shuttle zurück zum Startpunkt. Ich wanderte weiter, zurück zu den Control Gates, aber es lohnte sich nicht wirklich. Es gab nur Wald, und zwar Wald von der langweiligen Sorte. Diesen Abschnitt kann man sich wirklich sparen. Gegen 16 Uhr war ich dann zurück in Te Anau.
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| Wetland am Track. |
Bei den Control Gates traf ich eine Gruppe von deutschen Studenten, die sich gerade auf den Weg zu Brod Bay machte. Sie wollten sich die Hütten sparen und den Track campend bezwingen. Sie gingen naiverweise davon aus, dass das Sommerwetter im Tal auch auf den Bergen herrschen würde und hatten keinerlei Regenkleidung dabei. Als sie hörten, dass ich sogar Handschuhe getragen hatte waren sie etwas verunsichert, aber ihr Optimismus siegte. Ranger Robbie hatte zu mir gesagt: "We have a lot of Germans. They are the best equipped. But also the worst." Ich hoffte, dass die Kiddies gutes Wetter haben würden.
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| Waiau River. |
Zurück im Motel kochte ich sofort eine Riesenmenge Pasta. Da ich keinen Topf mitschleppen wollte, hatte ich mich in den letzten drei Tagen nur kalt ernährt. Um Punkt halb Sechs enterten zwei neuseeländische Rentnerpaare die (Gemeinschafts-) Küche. Bei beiden Paaren gab es Würstchen mit Bohnen. In den Supermärkten wimmelt es nur so von Würstchen. Scheint hier sehr beliebt zu sein.
Alles in allem war der Kepler Track wirklich schön. Wenn ich ihn noch einmal wandern würde, würde ich ihn allerdings in der umgekehrten Richtung und abgekürzt in 2 Tagen versuchen. Mit dem Shuttle nach Rainbow Reach und von dort nach Iris Burn. Dort über die Nacht und den alpinen Teil am zweiten Tag. Von Brod Bay dann mit dem Wassertaxi zurück. Setzt gutes Wetter und ein gewisses Maß an Fitness voraus, bietet aber alle Highlights und spart die langweiligeren Teile.
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| Control Gates. Da hatte wohl jemand keine Lust mehr... |
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