Freitag, 9. März 2012

Shotover River


Aufgewacht in: Alpine Lodge, Queenstown (2/5)

Auf dem Shotover River wurde angeblich das Rafting erfunden und als begeisterter Rafter konnte ich ihn mir natürlich nicht entgehen lassen. Ich bezahlte also an Queenstown Rafting einen Betrag, für den ich vier Nächte ein Zimmer bekommen hätte. Hier bekam ich eine zweistündige, ziemlich nasse Fahrt auf einem Fluss und musste zudem noch selber paddeln.
Der Adrenalin-Höhepunkt kam aber nicht auf dem Fluss sondern auf der Fahrt zum Fluss. Zum Einstiegspunkt ging es über die Skippers Road. Sie ist nur ein Wagen breit, unsealed und es gibt keine Leitplanken, obwohl es zum Teil 100 Meter senkrecht nach unten geht. Die Straße ist für Mietwagen gesperrt, ein Schild warnt davor, die Strecke mit langen Fahrzeugen oder Anhängern zu befahren. Wir saßen in einem Bus und hatten einen Anhänger mit Rafts hinten dran. Der Guide versicherte aber (mehr oder weniger glaubhaft), dass der Fahrer in seiner Freizeit Rallys fahre...
Die Landschaft durch die die Straße führte war aber wieder einmal absolut atemberaubend und es gibt Touren (die vor allem von älteren Menschen gebucht werden), die einfach nur diese Straße entlang fahren.
Unser Raftguide war Amerikaner und wanderte immer dem Sommer nach. Während des neuseeländischen Sommers war er auf dem Shotover River, während des europäischen Sommers in der Schweiz auf dem Oberlauf von Inn und Rhein. Unser Boot bestand lustigerweise nur aus Deutschen und der Guide war entzückt, dass er schon einmal für die kommende Europa-Saison trainieren und sein Deutsch ausprobieren konnte. Nach seiner Aussage kommen die diszipliniertesten Crews aus Südkorea, Deutschland oder Israel, während Russen oder Chinesen viele Nerven kosten...
Die Fahrt selber war eher unspektakulär. Es gab fünf kurze Stromschnellen, dazwischen passierte nicht viel. Die Stromschnellen waren so eng, dass man nicht paddeln konnte und die deshalb im All-In-Stil (alle Sitzen tief im Boot und halten sich so gut wie möglich fest) passiert wurden. OK, es war Spätsommer, es hatte ein paar Tage nicht geregnet und der Fluss führte deshalb weniger Wasser, aber irgendwie hatte ich mir da doch mehr versprochen. Einzige Besonderheit war, dass ein alter Goldgräberstollen durchraftet wurde. Oh, und natürlich die Landschaft, wie immer großartig.
Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht mal wieder in einem Raft zu sitzen und der Guide hatte mich auf eine schöne Idee gebracht: die Oberläufe von Inn und Rhein. Vielleicht sehen wir uns ja wieder ;-)
Im DOC Visitor Centre besorgte ich mir noch eine Karte des Kepler Track, der in den nächsten Tagen anstand und schnell trocknende Handschuhe. Auf dem Tongariro Alpine Crossing hatten mir Handschuhe wirklich gefehlt. Ja, es soll hier Sommer sein. Ein besonders trockener noch dazu.
Gegen zwei Uhr machte ich mich dann auf die Fahrt nach Te Anau. Als ich Queenstown verließ, war der Tank noch zu etwas mehr als einem Drittel voll und ich ging optimistisch davon aus, dass das bis Te Anau reichen würde. Und dann fiel die Nadel und fiel und verharrte im roten Bereich und der Navman zeigte immer noch 50 Kilometer Reststrecke an. Sollte ich wieder einmal die AA benötigen? Und warum verbrauchte ich so viel? Na klar, ich hatte die Klimaanlage angeschaltet, das hatte den Verbrauch gleich um 10-15% nach oben getrieben. Kurz vor Te Anau ging die Reserve-Warnlampe an und als ich an der ersten Tankstelle, gleich am Ortseingang, den Tank füllte, gingen 47 Liter rein. Punktlandung. Der Tankwart wollte schon meine Kreditkarte in das EFTPOS-Terminal stecken als er fragte: "German?". Ich bejahte das, woraufhin er eine Ritsch-Ratsch-Maschine aus der Schublade zog. Wann hatte ich das zuletzt eine gesehen? Ich konnte mich nicht erinnern. Ich war inzwischen so weit von Deutschland entfernt, dass die Zahlung nur noch in Papierform abgewickelt werden konnte...
Das Gebiet zwischen Queenstown und Te Anau war extrem dünn besiedelt. Wäre nicht die Straße, eine Stromleitung und Zäune links und rechts der Straße gewesen, hätte man sich in einem anderen Reich wähnen können. In einem Reich der Schafe. Die gab es massenhaft.

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