Donnerstag, 15. März 2012

Otago Peninsula


Aufgewacht in: Catlins Gateway Motel, Owaka (4/5)

In der Nacht wurde ich durch ein infernialisches Dröhnen geweckt. Ein wahrer Wolkenbruch prasselte auf das Blechdach des Motels. Auch als ich morgens ins Auto stieg, regnete es noch ziemlich stark. Ich hatte in den Catlins noch eine Attraktion nachzuholen, die in keinem Neuseelandkalender fehlt: Nugget Point. Dorthin führte natürlich wieder eine unsealed road, die nach dem Wolkenbruch der Nacht in einem ziemlich schlechten Zustand war. Da gegen acht Uhr noch keine anderen Autos unterwegs waren konnte ich zumindest die ganze Straßenbreite nutzen, um den Schlaglöchern auszuweichen. Am Nugget Point nieselte es nur noch schwach und schließlich hörte der Regen ganz auf. Allerdings blies ein eisiger Südwestwind mit etwa 6 Windstärken direkt aus der Antarktis. Brrr. Menschen gab es außer mir noch keine dort. Vermutlich ist Nugget Point bei schönem Wetter, wenn der Wind nicht an der Kleidung zerrt und die Brandung nicht tost, nur halb so eindrucksvoll.
Nugget Point.
Als ich mich wieder ins Auto setzte, waren am Himmel erste zarte blaue Streifen zu erahnen. Allerdings im Süden und ich fuhr nach Norden, dem Regen hinterher. Das heutige Ziel war Dunedin, die Hauptstadt von Otago. Je weiter ich fuhr, desto düsterer und trüber wurde es. Herbstlich. Ich war zum Ende der Sommerferien hier angekommen, jetzt nach 5 Wochen, schien der Herbst vor der Tür zu stehen.
Gegen Mittag erreichte ich Dunedin. Die Stadt trägt nicht nur einen schottischen Namen, sie gibt sich auch sehr schottisch. In der Mitte des zentralen Platzes thronte Robbie Burns und statt Irish Pubs gab es schottische Pubs, die Haggis und Whisky anpriesen. Sehr hügelig war Dunedin auch, mit vielen steilen Straßen. Einmal drehten mir beim Anfahren am Berg auf der nassen Straße die Vorderräder durch und das Auto rutschte fröhlich nach links und nach rechts.
Ich erkundete zwei Stunden lang den CBD und wurde dann gegen drei Uhr von einem Shuttle von Elm Wildlife Tours aufgesammelt. Tiere sind ja eigentlich nicht so mein Ding, aber die Peninsula  Encounters Tour wurde mir bestimmt von einem halben Dutzend Leute ans Herz gelegt. Wir fuhren also auf die Otago Peninsula und starteten mit einer Runde Birdspotting. Jeder bekam ein Fernglas und sobald ein Guide einen Vogel erspähte hielt der Bus an. Während wir das Tier betrachteten erzählte der Guide allerlei Interessantes.
Einfahrt zum Otago Harbour.
Danach ging es weiter zum Royal Albatross Centre. Die Leute, die die Albatros-Option gekauft hatten, durften einen Blick auf die nistenden Vögel werfen. Wir anderen bekamen nur fliegende Albatrose zu Gesicht. Nach einer Fahrt auf die andere Seite der Halbinsel wurde eine Robbenkolonie besichtigt. Es wimmelte von Babyrobben und die Japanerinnen in unserer Gruppe fotografierten sich fast in die Besinnungslosigkeit. Eine kurze Wanderung brachte uns an einen Strand wo es Gelbaugenpinguine und Seelöwen zu sehen geben sollte.
Kuschelnde Seelöwen.
Die Seelöwen waren da und randalierten ziemlich, was wiederum die Pinguine, die auf See zum Fressen waren, davon abhielt an Land zu kommen. Wir mussten einen weiteren Berg besteigen um wenigstens einige Pinguine in der Mauser zu sehen. Die Viecher stehen während dieser Zeit einfach nur da. 3 Wochen lang. Den Berg teilten sich die Pinguine übrigens mit Schafen. Es war schwer zu entscheiden, welches das dümmere Tier war. Auf dem Rückweg entdeckten wir noch einen verletzten Jungpinguin. Er war erst in diesem Sommer geboren worden und sollte jetzt eigentlich auf dem Meer sein. Er war aber wohl durch einen Barrakuda am Fuß verletzt worden und deshalb zum Geburtsort zurückgekehrt. Der Guide meinte, er würde wohl überleben.
Verletzter Pinguin.
Trotz meines generellen Desinteresses an Tieren war die Tour doch interessant. Das lag weniger an den Viechern als an den Guides, die wahnsinnig viel und wahnsinnig gut erklärten. Der Wind auf der Halbinsel war wieder mörderisch und trotz T-Shirt, Pulli, Windjacke und Sonne war mir kalt. Ja, irgendwie fühlte ich mich an den Herbst erinnert.
Gegen 21 Uhr war ich wieder in Dunedin. In der Stadt herrschte tote Hose. Das ist eine Unistadt mit 30.000 Studenten. Da muss doch was gehen? Na ja, ein paar betrunkene Studenten sah ich doch. Sie scheinen sich zum Ausgehen hier recht fein zu machen und um zehn Uhr schon sternhagelvoll zu sein. Leider hatte ich keinen Guide, der mich über das Sozialverhalten dieser adoleszenten, zweibeinigen Säugetiere aufklären konnte.

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