Sonntag, 11. März 2012

Kepler Track. Tag 1.


Aufgewacht in Parklands Motel, Te Anau (4/5)

In der Nacht ging mal wieder ein Wolkenbruch nieder. Keine tollen Aussichten für 3 Tage in der Wildnis. Ich genoss noch einmal eine warme Dusche, richtete ein paar Sandwiches als Marschverpflegung und packte meinen Rucksack. Nach dem Track würde ich noch eine Nacht im Motel verbringen und konnte so das Auto dort stehen lassen.

Kurz nach zehn holte ich beim DOC Visitor Centre meine Hüttentickets ab und erkundigte mich nach Wetter- und Trackupdates. Der Regen sollte im Verlauf des Morgens aufhören, also beschloss ich, noch ein wenig zu warten. Tatsächlich hörte es gegen 11 Uhr auf zu regnen und ich wanderte los in Richtung Control Gates. Diese heißen nicht so, weil dort der Eintritt zum Track kontrolliert wird, nein, das ist ein Wehr, mit dem man den Wasserstand von Lake Te Anau steuert. Der Weg von den Control Gates zur Brod Bay war recht langweilig. Ziemlich monotoner Wald, die Strecke eben, alles triefend vor Nässe. Auch die Brod Bay machte an diesem trüben Tag keinen Eindruck. Nicht einmal Sandflies ließen sich blicken.
Brod Bay in grau.
An der Brod Bay begann dann der Aufstieg zur Luxmore Hut. Für den Rest der Strecke ging es nur bergan, von 200 Höhenmeter auf 1085 Höhenmeter. Der Weg wurde nicht interessanter, wieder nur Wald, dafür aber körperlich deutlich anstrengender. Einzige Ablenkung boten die Limestone Bluffs, wie der Name andeutet eine Formation von Kalksteinfelsen. Etwa 45 Minuten vor der Hütte wurde dann die Waldgrenze erreicht. Die Wolken hingen sehr niedrig und gestatteten keinen Blick in die Täler, es war windig, kalt, nass und klamm.
Limestone Bluffs.
Gegen 16 Uhr erreichte ich die Hütte. Diese war schon gut gefüllt, die meisten Gäste waren schon da, aber ich bekam dennoch einen recht guten Platz im Schlafsaal. Die meisten Wanderer waren alleine oder Pärchen, es gab nur eine Gruppe. Diese bestand aus Deutschen und Österreichern, einem Mann und fünf Frauen. Es wurder schnell klar, dass der Ösi-Gockel sein Rolle sehr genoss.
Die Luxmore Hut ist eine Great Walk Hut, das ist die höchste neuseeländische Hütten-Kategorie. Sie hatte 50 Betten und die Nacht kostete so viel, wie ein Einzelzimmer in einem günstigen Backpacker. Dafür bekam man ein Bett im Schlafsaal mit Gummimatratze, den Schlafsack musste man selber mitbringen. Es gab fließend kaltes Wasser, aber keine Duschen, die Toiletten hatten Klopapier und Wasserspülung. Das Wasser war trinkbar, wurde aber nicht getestet und das DOC gab keine Garantie. "We drink it, you may want to boil it". Der Gemeinschaftsraum besaß einen Ofen und eine elektrische Beleuchtung, die anderen Räume waren unbeheizt und dunkel. Der Gemeinschaftsraum bot auch Gaskocher, die restliche Küchenausstattung musste man ebenfalls selber mitbringen. Während der Saison ist in allen Great Walks Huts ein Ranger stationiert. Unsere Rangerin hieß Fay und hielt am Abend eine kurze Sicherheitseinweisung (im Brandfall raus, aber nach Möglichkeit Jacke und Stiefel retten, da man nach Brod Bay würde marschieren müssen). Sie gab ein paar Reisetipps und erläuterte das Wetter für den nächsten Tag. Anschließend kontrollierte sie die Tickets und damit war der gesellschaftliche Höhepunkt des Abends auch schon vorbei.
Knapp oberhalb der Baumgrenze. Alles grau.
Zwischen sechs und acht Uhr wurde eifrig gekocht. Es dominierten die Backcountry-Fertigprodukte, die man in Te Anau überall kaufen konnte. Bei diesen musste man nur zwei Tassen heißes Wasser in eine Tüte füllen, 10 Minuten warten und fertig war das Traumgericht. Es gab allerdings auch Leute, die ganze Salatköpfe mit nach oben geschleppt hatten und Würstchen dazu brieten. Die gleichen Leute nutzten ihre Pfannen dann am nächsten Morgen, um Toast darin zu rösten. Das nennt man dann wohl Genusswandern.
Das Wetter war absolut nicht so, dass ich die Hütte noch einmal freiwillig verlassen wollte. Also las ich erst einige Zeit und unterhielt mich dann recht lange mit einer australischen Polizistin, einem Detective aus Sydney, sowie einem Pärchen aus München. Die meisten Gäste gingen tatsächlich gegen 9 Uhr ins Bett, ich und die Münchner hielten bis zum Erlöschen der elektrischen Beleuchtung um halb Elf durch. Ich blickte noch einmal aufs Thermometer: draußen hatte es 5 Grad, im Schlafsaal und den Toiletten war es nur unwesentlich wärmer. Ich war sehr froh, meinen dicken Schlafsack mitgenommen zu haben.

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