Mittwoch, 21. März 2012

Der Rückreise erster Teil


Aufgewacht in: Jailhouse Accommodation, Christchurch (4/5)

Tja, da war er nun, mein Rückreisetag. Es war verrückt: ich fühlte mich, als wäre ich erst gestern angekommen. War mein Leben jemals zuvor so schnell verstrichen? Der Abschied von Neuseeland fiel sehr, sehr schwer. Etwas erleichtert wurde er nur durch die Spuren des Herbstes, die jetzt doch nicht mehr zu übersehen waren. Die Aussicht, in den Frühling zu fliegen, hatte zumindest etwas Positives.
Gegen 9 Uhr verließ ich mein Gefängnis. Ich würde bald in ein Arbeitslager auf der anderen Seite der Erde deportiert werden ;-) Vorher hatte ich noch ein wenig Zeit und unternahm einen ausgedehnten Morgenspaziergang durch den botanischen Garten von Christchurch.
Ich tankte ein letztes Mal und gab dann das Auto zurück. Der Ford Focus hatte doch tatsächlich durchgehalten. Er war um eine Radabdeckung ärmer, etwas schmutziger und hatte 8000 Kilometer mehr auf dem Tachometer. Die verlorene Radabdeckung spielte keine große Rolle, "happens regularly", nur der Schmutz sorgte für einen Kommentar "Rather dirty, isn't it?". Na ja, verglichen mit den anderen Fahrzeugen war er das schon. Die hatten sich wohl nicht auf die unsealed roads getraut.
Da staunt sogar die Kuh: der Ford Focus hat die ganzen 6 Wochen durchgehalten...
Meine letzte Stunde in Neuseeland war zugleich die schrecklichste. Der Flughafen wurde umgebaut und direkt neben meinem Gate waren Bauarbeiter auf Hebebühnen zu Gange. Diese Hebebühnen gaben bei jeder Bewegung einen alles durchdringenden Piepton von sich und die Bauarbeiter schienen sie pausenlos herumfahren zu müssen. Dazu kamen die Geräusche von Schlagbohrmaschinen auf Stahlbeton und nach einer Stunde dachte ich, mein Kopf müsse gleich explodieren.
Der Flug nach Sydney sollte eigentlich um 14:30 Uhr starten, zu dieser Zeit saßen wir aber immer noch am Gate. Die Crew für das Flugzeug fehlte. Es hatte wohl Probleme mit dem Transport gegeben. Fünf nach Halb traf die Crew dann ein und wurde mit einem stürmischen Applaus begrüßt. Wir starteten letztlich mit einer halben Stunde Verspätung.
Der Flug war noch einmal magisch. Es war ein wolkenloser Tag, ich hatte einen Fensterplatz auf der linken Seite des Flugzeugs und konnte so die Mitte und den Süden der Südinsel überblicken. All jene Orte, die ich in den letzten beiden Wochen durchreist hatte, noch einmal im Schnelldurchlauf. Der Pfannkuchen der Canterbury Plains, Lake Tekapo und das unglaubliche Blau von Lake Pukaki, die Southern Alps, dominiert von Aoraki/Mt. Cook, und schließlich die West Coast. Sogar den Franz-Josef-Gletscher bekam ich so noch zu sehen.
Aufgrund der Verspätung hatte ich in Sydney nur noch eine halbe Stunde zum Umsteigen. Ich kam gerade rechtzeitig zum Final Call, die spannende Frage war nur, ob es auch mein Gepäck geschafft hatte. In Sydney blieb übrigens auch mein Taschenmesser. Ich hatte es beim Umpacken in meinem Handgepäckrucksack übersehen und es erst in Christchurch auf dem Flughafen bemerkt nachdem ich mein Gepäck abgegeben hatte. Als ich die Sicherheitkontrolle in Christchurch darauf hinwies, meinten die, ich könne es behalten. Die Aussies waren leider nicht so tolerant. Schade drum.
Mit dem Känguru in den Sonnenuntergang.
Auch auf dem Flug nach Singapur hatte ich wieder einen Fensterplatz und auch auf diesem Flug gab es so gut wie keine Wolken. Ich konnte Australien also völlig ungestört von oben betrachten und insbesondere die endlosen, absolut parallelen Sanddünen der Simpsonwüste zogen mich in ihren Bann. Gegen zehn Uhr Ortszeit erreichten wir Singapur und hier bot die unübersehbare Menge an beleuchteten Schiffen, die auf der Reede vor Anker lag, einen fantastischen Anblick. Wir hatten 45 Minuten Aufenthalt, während dessen die 747-400 aufgetankt und gereinigt wurde. Ich nutzte die Zeit, um im Cactus Garden des Flughafens etwas frische Luft zu schnappen. Na ja, frisch ist relativ. Es hatte 26 Grad und etwa 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.

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