Montag, 12. März 2012

Kepler Track. Tag 2.


Aufgewacht in: Luxmore Hut, Kepler Trach (2/5)

Die Münchner erzählten mir am Morgen, dass die Nacht sehr unruhig gewesen sei und dass jemand nach einem Albtraum sogar herum geschrien habe. Dank meines Oropax hatte ich von all dem aber nichts mitbekommen und erstaunlich gut geschlafen. Die Matratze war etwas hart und ich hatte mein aufblasbares Kissen vergessen so dass mein Hals ein wenig steif war. Dennoch schlief ich bis gegen 8 Uhr durch.
Hütte über den Wolken: Luxmore Hut.
Das Wetter war besser geworden. Die Sonne schien, es gab einige tief hängende Cumulus-Wolken und die Hütte lag über den Wolken. Zwischen den Wolken sah man sah Lake Te Anau und die Murchison Mountains. Ein großartiger Morgen. Allein dafür hatte sich der Aufstieg am Vortag gelohnt.
Ich machte noch einen kurzen Abstecher zu einer nahen Höhle, der Luxmore Cave, und gegen halb Zehn wanderte ich dann los. Ich war so ziemlich der Letzte, der aufbrach. Aber die anderen waren ja auch schon seit sechs Uhr wach...
Gipfel des Mount Luxmore in Wolken. Zu erahnen: Lake Te Anau.
Der Weg stieg zunächst weiter an zum Luxmore Saddle auf 1400 Meter, dem höchsten Punkt des Tracks. Von dort unternahm ich einen Abstecher zum Gipfel des Mount Luxmore (1472 Meter). Allerdings war das Wetter schon wieder schlechter geworden. Die Wolken hatten zugenommen, ebenso der Wind, der Wetterbericht versprach bis zu 80 km/h im Mittel. Der Gipfel von Mount Luxmore lag vollständig in Wolken, der Wind war stürmisch und die gefühlte Temperatur lag nahe am Gefrierpunkt. Ich war sehr froh in Queenstown die Handschuhe gekauft zu haben. Hin und wieder riss der Wind die Wolken für einige Sekunden auf und man hatte einen fantastischen Rundumblick.
Etwa die Hälfte des alpinen Teils dieser zweiten Etappe verbrachte ich in Wolken. Es war kalt und windig und man hielt besser nicht an, da man sonst sofort auskühlte.
Wandern auf schmalem Grat.
Aber die andere Hälfte machte diese Unannehmlichkeiten mehr als wett. Die Aussicht war gigantisch und änderte sich mit jeder Bergflanke die man umrundete. Gegen Ende des alpinen Teils gab es einen Regenbogen, den man über eine Stunde lang sehen konnte. Der Weg selber war auch sehr abwechslungsreich: er war recht wellig, immer wieder ging es hoch und runter, dazwischen gab es aber auch flache Passagen zum Verschnaufen. Dieser alpine Abschnitt machte wahnsinnig Spaß. Er hatte nur einen Schwachpunkt: er war viel zu kurz. Der Abstieg zur Iris Burns Hut (497 Meter) kam überraschend früh und war sehr steil. Viele Stufen und Serpentinen machten ihn zu einer echten Belastung für die Knie.
Der Dauerregenbogen.
Ich hatte auf dem Berg das Feld von hinten aufgerollt und erreichte die Hütte als Erster gegen 14 Uhr. Es war ein wenig gespentisch. Die Hütte war komplett leer, alle Türen standen offen und es war kein Mensch weit und breit zu sehen. Auch vom Ranger keine Spur. Gerade als ich bei der Hütte ankam, fing es zudem an zu regnen. Ich suchte mir ein Bett aus, ich hatte ja die Qual der freien Wahl, aß etwas und verbrachte einige Stunden mit Lesen.
Iris Burns Hut.
Am Abend schien wieder die Sonne und ich erkundete die Umgebung der Hütte und machte einen Abstecher zu den Iris Burns Falls. Die Gegend war aber Sandfly Country und lud nicht zum Verweilen ein.
Iris Burns Falls.
Gegen acht Uhr hatte dann Ranger Robbie seinen Auftritt. Er redete fast eine Stunde lang, machte die üblichen Sicherheitseinweisungen und erzählte Anekdoten über Kepler und Milford Track. Er hatte echte Entertainer-Qualitäten und war sehr unterhaltsam, die Stunde verging wie im Fluge.
Er erwähnte auch, dass es in der Umgebung der Hütte mehrere Kiwis gebe und spielte Kiwi-Rufe vor. Das diente den meisten Hütten-Gästen als Ansporn und nach Einbruch der Dunkelheit machten sich mehrere Kiwi-Suchteams auf den Weg. Erfolgreich waren sie aber nicht. Vermutlich war es einfach nicht hilfreich, mit Taschenlampen mit gefühlten 3000 Lumen durch den Wald zu stapfen...
Nach dem Verlöschen der elektrischen Beleuchtung saß ich noch eine Stunde auf der Veranda und betrachtete den Sternenhimmel. Er war hier, fern aller Zivilisation, von einer atemberaubenden Klarheit.

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