Aufgewacht in: Tamara Backpackers, Wanganui (4/5)
Der
Whanganui River (Whanganui oder Wanganui, beide Schreibungen sind zulässig) war mal so etwas wie der Mississippi: der einzige Weg ins Landesinnere. Dampfer hielten den Kontakt mit den Siedlern stromaufwärts. Mit dem Bau der Eisenbahn verlor er seine Bedeutung vollständig und auch mit Wanganui ging es von da an bergab. Da mit der Wildnis niemand etwas anfangen konnte, hat man dann einen Nationalpark daraus gemacht. Mit einer kurzen Wanderung wollte ich in den Whanganui National Park hineinschnuppern.
 |
| The Rhine of Maoriland: Whanganui River. |
Ich hatte mir den
Atene Skyline Track ausgesucht, vor allem auf Grund des Namens. Das DOC gab eine Länge von 12,5 Kilometern und eine Gehdauer von 8 Stunden an. Der Track verlief immer auf Graten und meist im Wald. Die im Verhältnis zur Strecke recht lange Gehdauer resultiert daraus, dass doch einige Höhenmeter zu absolvieren sind. Der Track war zudem in einem sehr schlechten Zustand. Immer wieder lagen Bäume quer, Büsche und Gras machten den Weg oft undeutlich, die Markierungen fehlten zum Teil. Kurz: es machte sehr viel Spass. Endlich mal keine Wanderautobahn mit DOC-genormten Stufen. Allerdings kam ich nur sehr langsam voran: sechs Stunden für 14,5 Kilometer (ich musste wieder zum Auto zurück). Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so langsam war...
Etwa in der Mitte des Tracks hatte das DOC einen Unterstand und eine Toilette aufgestellt. Dort traf ich zwei Wanderer und unterhielt mich mit ihnen. Wir sprachen gerade über die schlechte Wegqualität, als plötzlich ein Hubschrauber im Tiefflug über uns hinwegbretterte. Er drehte eine Kurve und setzte auf der winzigen Lichtung zur Landung an. Fliegerisch wirklich beeindruckend. Als er gelandet war, sprangen ein Mann in DOC-Uniform und mehrere Männer mit Kettensägen heraus. Der Ranger erklärte uns, dass dies ein Instandsetzungstrupp sei, der die Aufgabe habe, den Weg wieder in einen annehmbaren Zustand zu versetzen. Wow. Wenn meine Wohnung das nächste Mal aufgeräumt werden müsste, muss ich also nur mit jemandem darüber reden und es landet ein Hubschrauber...
 |
| Weginstandsetzungstrupp nach Punktlandung. |
Dass das DOC die Waldarbeiter im Hubschrauber einfliegen lässt, zeigt aber ein Problem: in dieser Wildnis hier gibt es keine Straßen. Man kann den Track von den Enden her begehen oder eben auf der einzigen Lichtung landen, einen anderen Zugang gibt es nicht.
Vom Gehen her hat der Track Spaß gemacht, Aussicht gab es aber wenig. Vom Namen her hatte ich mir da mehr versprochen. Aber wenn man etwas sah, war es monumental: in der Ferne, Mount Taranaki, faszinierend wie immer. Und, auf Grund seiner Größe vermeintlich zum Greifen nah: Mount Ruapehu.
 |
| Ausblick auf Mount Ruapehu. |
Auf der Rückfahrt blockierte dann eine Schafherde die Whanganui River Road. Ich versuchte erst, im Schritttempo einfach hindurchzufahren, was am Anfang auch klappte, die Tiere wichen aus. Aber irgendwann bewegten sich die Viecher einfach nicht mehr. Ich war komplett von Schafen umgeben. Nichts ging mehr. In diesem Moment kam Gott sei Dank der Schäfer. Neuseeländische Schäfer fahren heutzutage
Quad. Meist haben sie noch einen Anhänger dran, in dem sie die Hunde transportieren. Der Schäfer machte also den Anhänger auf, die Hunde flitzten los, wuff, wuff, wuff und dreißig Sekunden später war die Straße frei. Fantastisch. Ich fand insbesondere die Koordination der Hunde untereinander sehr beeindruckend.
 |
| Ausblick vom Balkon meiner Unterkunft. |
Den Abend verbrachte ich mal wieder auf dem Balkon meiner Unterkunft. Wie immer mit Bloggen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen